Enge Straßen, Gegenverkehr, Anfahren am Berg – Fahrstunden können stressen. Mirella wollte bewusst eine Fahrlehrerin. In ihrer Fahrschule in Remscheid unterrichten überwiegend Frauen. Für sie fühlt sich das sicherer an – und sie ist damit nicht allein.
Eine Fahrlehrerin, die geduldig bleibt, wenn mal etwas nicht klappt: Genau das ist Mirella wichtig. In Remscheid sitzt sie am Steuer, neben ihr Fahrlehrerin Lisa-Marie Janzik. Ihren Intensivkurs hat Mirella bereits absolviert, doch bis zur praktischen Prüfung möchte sie noch weiterüben. Besonders der Gegenverkehr auf engen Straßen bereitet ihr Schwierigkeiten. Sie habe Angst, wenn es zu eng werde, und sei bei der Einschätzung der Abstände noch unsicher.
"Ich halte nicht die Abstände zum Gegenverkehr und hab auch Angst, wenn es zu eng wird. Da traue ich mich halt nicht, aber da lernen wir noch. "
Mirella hat sich bewusst für eine Fahrschule entschieden, in der überwiegend Frauen unterrichten. Dabei spielen auch ihre Erfahrungen zu Hause eine Rolle: Wenn ihre Mutter Auto fährt, kommentiert ihr Vater das nicht immer besonders geduldig. Mirella wollte deshalb lieber von einer Frau unterrichtet werden. Bei Lisa-Marie Janzik fühlt sie sich wohl und kann auch Fehler machen, ohne Angst vor einer ungeduldigen Reaktion haben zu müssen.
"Ich hab noch nie so eine geduldige Frau kennengelernt. Wirklich. Das sage ich nicht nur, weil sie meine Fahrlehrerin ist."
Weniger Leistungsdruck, mehr Sicherheit
Fahrlehrerinnen sind in Deutschland noch immer in der Minderheit. Laut dem MOVING-Branchenreport 2025 sind etwa sechs von sieben Fahrlehrkräften männlich. Gleichzeitig berichten Frauen immer wieder von negativen Erfahrungen während ihrer Fahrausbildung, teilweise auch von Grenzüberschreitungen. Wie häufig solche Vorfälle tatsächlich vorkommen, ist allerdings schwer zu sagen.
In Janziks Fahrschule in Remscheid ist die Geschlechterverteilung anders: Hier unterrichten überwiegend Frauen. Das Angebot richtet sich aber ausdrücklich an alle. Auch junge Männer entscheiden sich bewusst für eine Fahrlehrerin.
Janzik vermutet, dass sich manche Männer bei einer Fahrlehrerin besser verstanden und aufgehoben fühlen. Sie glaubt, dass gerade männliche Fahrschüler mit Erwartungen konfrontiert sein könnten, schon vor der Ausbildung gut Auto fahren zu können. Diesen Leistungsdruck wolle sie in ihrer Fahrschule vermeiden.
"Weil Männer vielleicht schon die Erwartung an junge Fahrschüler haben: 'Hey, du musst das doch schon können. Du bist doch ein Mann.' Und die Erwartung haben wir nicht."
Auf Bedürfnisse eingehen
Für Janzik war der Wunsch nach einem anderen Umgang mit Fahrschüler*innen ein Grund, ihre eigene Fahrschule zu gründen. Sie habe zuvor ein durchdachtes Konzept vermisst, das die Lernenden individuell auf ihre praktische Prüfung vorbereitet. Statt Druck auszuüben, wolle sie stärker auf deren Fähigkeiten und Unsicherheiten eingehen.
Für Mirella scheint dieser Ansatz zu funktionieren. Auf Remscheids engen und steilen Straßen passieren ihr noch Fehler. Doch sie kann weiterüben, ohne sich dabei unter Druck gesetzt zu fühlen. Bis zur praktischen Prüfung will sie noch sicherer werden – mit einer Fahrlehrerin, bei der sie sich gut aufgehoben fühlt.
