"Ellbogen" heißt der neue Roman von Fatma Aydemir. Wie ihre Protagonistin Hazal hat sie türkische Eltern. Außerdem hören beide gerne Rihanna. Weitere biografische Überschneidungen hat sie uns verraten.

Hazal ist eine junge Deutschtürkin kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag. Sie hat viele Hoffnungen, was ihre Volljährigkeit angeht. Sie sehnt sich nach einem selbstbestimmten Leben. In der Nacht zu ihrem Geburtstag kommt es zu einem sehr tragischen Vorfall. Daraufhin flieht sie nach Istanbul. Eine Stadt in der sie noch nie zuvor war.

Ein selbstbestimmtes Leben als Deutschtürkin

Hazals Biographie ist typisch für eine Deutschtürkin, die in Deutschland geboren ist, sagt die Autorin Fatma Aydemir. "Wir kriegen durch die türkische Popkultur viele schöne Bilder von Istanbul vermittelt." Das fördert eine merkwürdige Hoffnung des Zurückgehens, "was eigentlich ja nicht stimmt, weil wir da ja nicht geboren oder aufgewachsen sind", so die Autorin.

"Ich werde oft gefragt, wie kannst du das überhaupt schreiben. Du hast doch studiert. Es ist aber nicht so, dass man an der Uni keine Diskriminierung erfährt."

Istanbul ist der Ort, der zwei Kontinente miteinander verbindet. Das steht metaphorisch für die innere Zerrissenheit vieler Deutschtürken, findet Fatma Aydemir. Hazal kommt aus Berlin Wedding. Mit ihr hat Fatma Aydemir eine Figur geschaffen, die einerseits sehr weit von ihrem eigenen Leben entfernt ist, gleichzeitig aber Erfahrungen wie Ausgrenzung macht, die die Autorin auch selbst erlebt hat.

Die Abende und Nachmittage mit Hazals Familie wirken anstrengend. Solche "Couchszenen“ wie im Roman, kennt Fatma Aydemir auch. Bis sie 18 war, erlaubten es ihre Eltern nicht abends noch auszugehen, erzählt sie. "Sie wollen die Familie und die Kinder vor Gefahren schützen - weil sie mit einem Misstrauen in Deutschland sind."

"An langen Abenden, die man unfreiwillig auf der Couch verbringt, kommt ein Panikgefühl auf, dass man da nicht mehr raus kommt. Wobei die Eltern auch nicht glücklich sind auf ihrer Couch."

Fatma Aydemir hat fast als einzige ihrer Familie die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit dem deutschen Pass braucht sie keine Visa, mit dem türkischen schon. Aber für sie ist auch klar: Sie will in Deutschland bleiben. "Wenn 100.000 Menschen aus dem öffentlichen Dienst geworfen werden, dann verändert das ein Land", sagt sie. "Mein Bild von Istanbul ist seit dem Putschversuch ein anderes."

"Meine Generation, die in Deutschland geboren ist, ist ziemlich zerrissen. Ich glaube die Generation unserer Eltern ist noch zerrissener."

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