Schönes Wetter, kaum Jetlag für die Spieler und die Kohle stimmt: Alle Jahre wieder fahren die Bayern zum Winter-Training nach Katar. Kein Problem? Wir haben mit Daniel Gerlach gesprochen.

Für den FC Bayern ist die Winterpause schon vorbei. Die Spieler des Vereins trainieren wieder, und zwar im arabischen Emirat Katar – zum achten Mal. Die klimatischen Bedingungen für die Stars aus der Bundesliga sind ideal, doch Menschenrechte werden in der absoluten Monarchie kaum respektiert und die Arbeitsbedingungen für Migranten sind schlecht.

Amnesty International bewertete die Situation ausländischer Baustellenarbeiter – die auch in Vorbereitung auf die Fußball-WM 2022 eingesetzt werden – in einem Bericht 2016 (PDF, Englisch): "In extreme, but not exceptional, cases migrants are subjected to forced labour." Zwar hat sich die Situation für Arbeitsmigranten nach dem aktuellen Bericht von Amnesty International verbessert, allerdings nur geringfügig.

Eine Win-Win-Situation

Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge greift diesen Aspekt dankbar auf und bemüht gegenüber der Zeitung tz sogar den Außenminister: "Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe, auch wenn sie natürlich immer noch besser werden könne."

Der FC Bayern bezieht seit dem Jahr 2011 regelmäßig sein Winterlager in dem Land – regelmäßig hagelt es Kritik für die enge geschäftliche Verbindung mit dem Emirat. Geld ist hierbei das wohl wichtigste Motiv. Der Verein soll finanziell von dem Aufenthalt profitieren. Katar soll die Imageaufwertung durch den deutschen Erfolgsmeister angeblich eine Million Euro wert sein. Fans des Vereins könnten auf die Idee kommen, ihren Winterurlaub in Katar zu verbringen - auch aufgrund von Tweets wie dem folgenden:

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Doch nicht nur ihr Trainingslager haben die Bayern in Katar. Die geschäftlichen Beziehungen reichen weiter. So ist der Bundesligaverein dem Doha Airport als sogenannter Platinsponsor verbunden.

Karl-Heinz Rummenigge kennt das Problem

Karl-Heinz Rummenigge sagte der tz zum Thema Zwangsarbeit: "Der FC Bayern steuert hier als ein Vertreter der gesamten Fußballfamilie seinen Teil bei. Unsere Partner in Doha kennen auch unsere Überzeugungen. Darüber sprechen wir vertraulich, und mit jedem Gespräch wächst ein Stück Vertrauen. Das ist die Voraussetzung für Veränderung". Der Verein setze sich also im Verborgenen und unbemerkt für die Rechte ausländischer Bauarbeiter in Katar ein. Zu der allgemeinen Menschenrechtssituation in dem Emirat äußerte sich der Vorstandschef hingegen nicht.

Katar in der Isolation

Amnesty International ordnet die Gesamtsituation in Katar folgendermaßen ein: 
"Die Behörden schränkten 2016 die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit erheblich ein. Ein gewaltloser politischer Gefangener wurde begnadigt und aus der Haft entlassen. Arbeitsmigranten wurden weiterhin ausgebeutet und misshandelt. Frauen waren nach wie vor sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben von Diskriminierung betroffen. Katar hielt an der Todesstrafe fest, Meldungen über Hinrichtungen lagen jedoch nicht vor."

Die Situation Katars in der Golfregion ist insgesamt schwierig. Das Land gilt als isoliert und hat diplomatische Auseinandersetzungen insbesondere mit Saudi-Arabien. So hat die Anreise der Bayern ins Trainingslager noch eine gänzlich unerwartete Funktion:

"In der jetzigen Situation kann man das fast als Solidaritätsgeste gegenüber den Kataris betrachten."
Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift Zenith