Hier ein Leckerli und da eine Belohnung plus zu wenig Bewegung: So kommt es, dass 40 Prozent der Haustiere übergewichtig sind. Die Adipositas-Sprechstunde soll Abhilfe schaffen.

Im Grunde genommen haben viele Haustiere genau dieselben Probleme wie Menschen, die adipös sind: sie essen zu viel und bewegen sich zu wenig. Hunde- und Katzenbesitzer füttern ihre Lieben oft falsch. Und wenn die Vierbeiner anfangen, rund zu werden, wollen es ihre Besitzer nicht wahrhaben.

"Je nach Studie bewegen sich die Zahlen zwischen 40 und 45 Prozent. Das heißt, fast die Hälfte aller Hunden und Katzen in Deutschland sind übergewichtig."

Die gesundheitlichen Probleme für die Tiere sind aber alles andere als harmlos. Das Übergewicht belastet das Herz, die Atmung und den Knochenbau. Zur ersten Adipositas-Sprechstunde an der Ludwig-Maximilians-Universität in München kam kein geringerer als Sir Henry. Der Hund von Uschi Ackermann, der Witwe des Münchner Feinkost-Königs Gerd Käfer. Immer nur das Beste für Sir Henry, und so sieht er jetzt eben aus: Ein Mops mit zu viel Speck auf den Rippen, wie Petra Kölle sagt. 

"Die Futtermengen werden zu großzügig bemessen und vor allem: Zu viele Snacks oder Zwischenmahlzeiten werden gefüttert."
Petra Kölle, Ernährungsberaterin an der medizinischen Kleintierklinik der LMU

Aber auch die "Kleinigkeiten", die vom Tisch abfallen, wenn der Hund nur lange genug seinen Besitzer anschmachtet. "Oder ein Leberwurstbrot als Betthupferl, das läppert sich halt ganz schön zusammen", berichtet Petra Kölle.

Dabei müssen extra Leckerli gar nicht sein. Einfach einen Teil von der täglichen Trockenfutterration beiseite stellen und damit den Hund belohnen. Wenn dann Snacks sein müssen, dann zumindest kalorienarme wie Möhrenstückchen verwenden.

"Bei einem kurzhaarigen Hund sieht man die Rippen und dass er eine Taille hat."
Petra Kölle, Ernährungsberaterin an der medizinischen Kleintierklinik der LMU

Als Orientierung können sich Hundebesitzer merken: Man muss die Rippen gut tasten können. Das Problem aber ist, sagt Petra Kölle, dass dicke Hunde und Katzen gesellschaftlich anerkannt sind. Besitzer, die sie auf das Übergewicht ihrer Haustiere anspricht, bringen Ausflüchte vor und rechtfertigen das Übergewicht ihres Lieblings.

"Den Leuten ist nicht bewusst, dass sie dem Tier damit nichts Gutes tun."
Petra Kölle, Ernährungsberaterin an der medizinischen Kleintierklinik der LMU

Es ist sogar so, erzählt Petra Kölle, das Windhund-Besitzer oft angesprochen werden, weil der Hund sehr schlank ist, wo die Rippen sehr deutlich zu sehen sind, was aber vollkommen dem Körperbau der Tiere entspricht.

Das Übergewicht bedeutet für die Tiere, dass sie zwei Jahre im Schnitt weniger leben. Außerdem haben Studien gezeigt, dass die Tiere mit weniger oder Normalgewicht mehr Lebensfreude zeigen.