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Seit zwei Uhr Ortszeit gibt es einen Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas. Doch der Konflikt ist damit nicht gelöst. Die nächste Eskalation droht, wenn die Probleme nicht wirklich angepackt werden.

In den vergangenen elf Tagen sind in den Kämpfen zwischen Israel und Hamas über 200 Menschen gestorben. Es gab viele Verletzte, Raketen flogen, Häuser wurden zerstört.

Ägypten hatte mit beiden Seiten verhandelt, auch andere Staaten hatten sich eingemischt und auf ein Ende der Kämpfe gedrungen. Gestern dann (20. Mai) einigten sich Israel und Hamas auf eine Feuerpause. Seitdem schweigen die Waffen.

Der Waffenstillstand soll erst einmal ohne Vorbedingungen gelten, so Tim Aßmann, ARD-Korrespondent in Tel Aviv. Darauf hätten sich beide Seiten verständigt. "Die genauen Details des Ganzen sind nicht nach außen gedrungen."

Kämpfe zwischen Israel und Hamas

Zu solchen Details gehört zum Beispiel die Frage, ob eine langfristige Waffenruhe vereinbart wurde. Ob es eine Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen geben wird. Oder, ob palästinensische Extremisten auf den weiteren Bau von Raketen verzichten.

Auch wenn Einzelheiten noch nicht bekannt sind, reklamieren beide Seiten den Sieg für sich. "Die israelische Armee sagt, sie habe ihre Ziele erreicht", sagt Tim Aßmann. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte vorab gesagt, dass man den Gegner um Jahre zurück geworfen habe. Man habe Infrastruktur zerstört und Kommandeure der Hamas getötet.

Ein Mann weint. Er trauert um ein Familienmitglied, das bei einem Angriff der israelischen Armee auf den Gaza-Streifen getötet wurde (16.05.2021); Foto: dpa
© picture alliance I dpa I Sputnik | Ahmed Zakot
Auf beiden Seiten gab es Tote. Hier trauert ein Mann im Gazastreifen um Familienangehörige.

Die Hamas und andere palästinensische Gruppen sehen sich genauso als Sieger des Konfliktes. Sie beanspruchen für sich, dass sie Jerusalem bewahrt hätten. Und dass sie für die palästinensische Sache kämpften.

Den Waffenstillstand für Verhandlungen nutzen

Ägypten soll die Waffenruhe überwachen. Dafür schickt das Land zwei Delegationen los – nach Israel und in den Gazastreifen.

Doch selbst, wenn die Feuerpause anhalten sollte, ist die Sorge groß, dass die Gewalt künftig wieder ausbricht. "Das war jetzt die eine Runde. Und dann gibt es irgendwann die nächste Runde", sagt Tim Aßmann. Es gab Kriege im Gazastreifen 2008/2009, 2012, 2014 und jetzt 2021. Es ist unwahrscheinlich, dass die aktuelle Gewalt die letzte war.

"Es braucht sehr, sehr viel mehr internationale Aufmerksamkeit für den Konflikt. Vor allem aus Washington."
Tim Aßmann, ARD-Korrespondent in Tel Aviv

Die internationale Gemeinschaft müsse sich wieder mehr in den Konflikt einmischen, findet Tim Aßmann. US-Präsident Joe Biden kündigte an, sich verstärkt einbringen zu wollen. "Die USA sind wichtig. Sie haben den größten Einfluss", sagt Tim Aßmann.

"Es muss gelingen, beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Das wird nur mit Druck gelingen."
Tim Aßmann, ARD-Korrespondent in Tel Aviv

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern lässt sich nur durch Verhandlungen lösen. Beiden Seiten müssen dafür in Verhandlungen eintreten. Eine Feuerpause ist keine Lösung auf Dauer, sonst drohen die nächsten Kämpfe.