Harte Zeiten für Verkäuferinnen und Verkäufer von Obdachlosenzeitungen: Wegen der Coronapandemie will kaum mehr jemand mit Bargeld bezahlen. Der Verein “fiftyfifty” aus Düsseldorf geht deshalb einen neuen Weg.

Viele Obdachlose verkaufen Obdachlosenmagazine. In Düsseldorf heißt das Magazin “fiftyfifty”. Und wer “fiftyfifty” lesen will, kann bald auch mit Karte zahlen. Die Ausrede “Sorry, kein Bargeld dabei”, die jeder von uns wahrscheinlich schon mal gemurmelt hat, fällt dann weg. Wer auf einen Verkäufer oder eine Verkäuferin von “fiftyfifty” trifft, kann künftig einfach seine Karte vor das Lesegerät halten, auf dem der Preis zu sehen ist. Ab Januar soll ein Pilotprojekt mit zehn Verkäuferinnen und Verkäufern im Stadtgebiet von Düsseldorf starten.

Geld verdienen mit dem Verkauf derzeit schwierig

Grundsätzlich ist das Modell von “fiftyfifty” wie bei anderen Obdachlosenzeitungen auch: Die Verkäuferinnen und Verkäufer bekommen das Magazin zum Preis von 1,20 Euro vom Verein, der es herausgibt. Verkauft wird es dann für 2.40 Euro. Die Differenz dürfen die Obdachlosen behalten.

In den vergangenen Monaten sind aber gleich mehrere Probleme zusammengekommen: Zum einen gibt es immer mehr Menschen, die selbst Kaugummis am Kiosk mit Karte zahlen. Ein Effekt, der durch Corona noch einmal verstärkt wurde. Selbst beim Bäcker werden wir mittlerweile gebeten, nur noch bargeldlos zu zahlen. Und dann sind - auch wegen Corona - weniger Leute in der Stadt unterwegs. Es fehlt also die Laufkundschaft.

"Gerade in der Pandemiezeit sagen viele Menschen, sie haben gerade kein Bargeld und fragen, ob man auch mit EC-Karte zahlen kann."
Dominik, ehemaliger Obdachloser, engagiert sich in Hamburg für Wohnungslose

Die zehn Verkäuferinnen und Verkäufer, mit denen “fiftyfifty” das neue Geschäftsmodell testen will, müssen ein paar Voraussetzungen mitbringen: Zum einen brauchen sie ein internetfähiges Handy, das sie mit dem Kartenlesegerät verbinden können. Ohne Handy komme heute niemand zurecht und arme Menschen schon gar nicht, sagt Oliver Ongaro von “fiftyfifty”. Auch die meisten Obdachlosen hätten mittlerweile ein Handy, auch weil Prepaid-Modelle immer erschwinglicher werden.

Stammkundschaft schafft Vertrauen

Dann sollten die Testverkäuferinnen und Verkäufer die Zeitungen schon längere Zeit immer an der gleichen Stelle anbieten, also so etwas wie eine Stammkundschaft haben. Das schafft Vertrauen und nimmt die Angst, dass das Lesegerät manipuliert sein könnte.

Die größte Hürde ist aber eine andere: Verkäuferinnen und Verkäufer müssen ein eigenes Konto haben. Wer ein Konto eröffnen will, braucht aber in der Regel eine feste Adresse. Eine mögliche Lösung, die gerade bei “fiftyfifty” diskutiert wird: Der Verein nimmt das Geld zentral ein und verteilt es dann auf einzelne Unterkonten. Von dem Modell könnten dann auch Menschen profitieren, die sonst bei jeder Bank abblitzen.