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Schweinepest bei Wildschweinen in Deutschland. Diese Nachricht hat dafür gesorgt, dass China – der bisher größte Abnehmer aus dem Ausland – kein Schweinefleisch mehr importieren will. In deutschen Schweineställen kommt es deshalb zum Ferkelstau.

50.000 Tonnen Schweinefleisch importiert China jedes Jahr aus Deutschland, das entspricht dem Fleisch von etwa einer halben Million Mastschweinen. Die stark gesunkene Nachfrage und das Überangebot an Schweinefleisch hat dazu geführt, dass der Kilopreis stark gesunken ist. Von zuvor 1,90 Euro pro Kilo auf 1,19 Euro pro Kilo Schweinefleisch, erklärt Josef Efken vom Thünen-Institut.

Dass die starke Preisminderung direkt an den Verbraucher weitergegeben wird, glaubt der Experte für den internationalen Fleischmarkt nicht. Aber die Landwirte spüren das natürlich deutlich. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Belgien, Dänemark oder den Niederlanden sinkt der Erzeugerpreis für Landwirtinnen deutlich.

Mastbetriebe nehmen keine Ferkel ab

Für die Landwirte eine schwierige Situation. Viele hatten ohnehin schon das Problem, dass der Absatz durch die Corona-Pandemie gesunken ist. Und jetzt stehen auch die Märkte in Asien nicht mehr für den Absatz zur Verfügung. "Jetzt wird es wirklich sehr schwierig", sagt Josef Efken zur Lage der Schweinemastbetriebe.

Einen Stau in den Mastbetrieben, wie zu Beginn der Pandemie, als in den Schlachtbetrieben wegen Ausbrüchen von Corona viele Arbeiterinnen und Arbeiter in Quarantäne mussten, gibt es nicht, sagt Josef Efken. Dafür gibt es in den Zuchtbetrieben Probleme. Denn dort stauen sich die Ferkel. Die werden eigentlich bis zu einem bestimmten Gewicht hochgepäppelt, und dann weiter an die Mastbetriebe gegeben. Die nehmen aber grade keine Mastferkel mehr an.

"Die Ferkel haben ganz beengte Verhältnisse. Ganz am Ende, wenn sie eigentlich zum Mastbetrieb gehen sollen, wiegen sie 25-30 Kilo. Wenn sie nicht abgeholt werden, wachsen sie natürlich weiter."
Josef Efken, Experte für die Analyse des internationalen Fleischmarktes am Thünen-Institut

Weil die Ferkel deutlich weniger Platz haben als die Mastschweine in ihren Buchten, stehen Landwirtinnen und Landwirte vor Problemen. Es gibt Fälle, in denen Maschinenenhallen kurzfristig freigeräumt und umgebaut werden mussten, um die weiter wachsenden Ferkel unterbringen zu können. Eine Situation, die sich voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 entspannen wird, sagt Josef Efken.

Entspannung der Lage erst im Frühjahr 2021

Anders als bei Maschinen kann die Schweinezucht nicht einfach gestoppt werden. Im Prinzip ist auf neun Monate festgelegt, wie viele Ferkel zur Welt kommen, erklärt Josef Efken. Wenn eine Muttersau belegt worden ist, also künstlich besamt wurde, dauert es drei Monate, drei Wochen und drei Tage bis die Ferkel geboren werden. Die wachsen dann vier Wochen lang, bevor sie an einen Mastbetrieb weitergereicht werden. Dort werden sie noch mal 15 Wochen lang gemästet, bevor sie zum Schlachter kommen.

"Wir haben jetzt einen Stau, der bedeutet, dass so ungefähr 800.000 Tiere warten oder eigentlich geschlachtet werden müssen, aber gerade nicht geschlachtet werden können."
Josef Efken, Experte für die Analyse des internationalen Fleischmarktes am Thünen-Institut

Dass es im Frühjahr 2021 zu einer Entspannung der Situation kommen wird, liegt aber auch daran, dass weniger Tiere importiert werden. Denn Deutschland hat bislang nicht nur Ferkel, sondern auch Schlachttiere aus dem Ausland importiert.