Flüchtlinge, die nach Schweden wollen, stranden zurzeit in und um Rostock. Gleichzeitig hat der schwedische Migrationsminister die Flüchtlinge in seinem Land aufgerufen, nach Dänemark oder Deutschland zurückzukehren.

Die Schweden sagen: Wir können nicht mehr. Laut des schwedischen Integrationsministers ist das Land am Rande seiner Belastungsgrenze angekommen. Im Verhältnis zur Bevölkerung haben die Schweden bisher die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Eine große Zahl nicht registrierter "Durchreisender" befindet sich zurzeit in und um Rostock. Dort warten sie auf die nächste freie Fähre nach Schweden.

Nadelöhr an der Ostsee

1558 Schutzsuchende warten momentan (Stand: 09.11.2015) darauf, dass sie weiterreisen können, sagt unsere Korrespondentin Silke Hasselmann. Es seien einfach mehr Leute in Rostock angekommen, als am Hafen mit der Fähre nach Schweden weitertransportiert werden könnten. Und täglich kämen am Bahnhof Hunderte neue dazu.

"Im Moment müssen Flüchtlinge vier bis fünf Tage warten, bis sie eine Fähre besteigen dürfen."
Silke Hasselmann, Deutschlandradio-Korrespondentin für Mecklenburg-Vorpommern

In Rostock werden die Flüchtlinge vor allem von studentischen Ehrenamtlern der Initiative "Rostock hilft" empfangen. Die Syrer, die von Anfang an angäben, dass sie nach Schweden wollen, würden in Deutschland erst gar nicht nicht registriert, sondern zum gewünschten Zielland durchgewunken. Dabei müssten sie nach geltenden Vereinbarungen eigentlich erst mal hier Asyl beantragen. Mit dieser Praxis bewegt sich Deutschland am Rande der Legalität - genauso wie alle anderen Staaten auf der Balkanroute auch.

"Man hat den Eindruck, dass die Politik nicht ganz unfroh ist, dass es ein paar Tausend Leute gibt, die weiterreisen wollen."
Silke Hasselmann

Die Situation werde sich zuspitzen, wenn in naher Zukunft wieder viele Syrer aus Schweden zurückkommen, sagt Silke Hasselmann. Das Land stellt den Flüchtenden keine Unterkünfte mehr. Manche Syrer würden schon jetzt sagen: Okay, das bringt nichts, dann bleiben wir in Deutschland und fahren gar nicht erst nach Schweden. Die Lage in den deutschen Fährstädten an der Ostsee - Rostock, Sassnitz, Kiel - verspricht also nicht gerade entspannter zu werden.