Die Räumung läuft. 6500 Flüchtlinge sollen im inoffiziellen Lager Calais leben. Nach Ausschreitungen ist die Situation jetzt relativ friedlich, sagt unsere Korrespondentin Kerstin Gallmeyer. Das große Anstellen hat begonnen.

Seit 8 Uhr am Morgen (24.10.) wird der Dschungel, das Flüchtlingslager in Calais geräumt. In der Nacht hatte es noch Zusammenstöße zwischen Polizei und Flüchtlingen gegeben. Nicht alle wollen das Lager verlassen, sie wollen von dort weiter nach Großbritannien.

Bei der Räumung des Lagers in Calais. In der Nacht gehen Polizisten vor Feuern entlang.
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In der Nacht gab es Widerstand gegen die Räumung. Flüchtlinge warfen Steine und entzündeten Feuer, die Polizei setzte Tränengas ein.

Im Moment geht es friedlich zu. Die Menschen stehen mit gepackten Taschen und Rücksäcken in langen Schlangen, sagt unsere Korrespondentin Kerstin Gallmeyer. Ganz in der Nähe des Lagers gibt es eine Registrierungsstelle. Die Flüchtlinge versammeln sich dort, ihre Daten werden aufgenommen und sie werden neuen Unterkünften zugewiesen.

Die Räumung ist ein großer Kraftakt, sagt Kerstin. Die Räumung wurde bis ins Detail geplant.

Nicht alle Flüchtlinge wollen in Frankreich bleiben

Die Flüchtlinge werden auf zwei Regionen in Frankreich verteilt. Dort sind in den vergangenen zwei Monaten hunderte Aufnahmelager gegründet worden - mit Plätzen für 7500 Flüchtlinge. In der neuen Unterkunft können die Menschen dann ihren Asylantrag stellen. Nach offiziellen Berechnungen finden alle eine neue Bleibe. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass sich mehr Menschen in Calais aufhalten.

"Viele haben gespannt darauf gewartet, dass die Räumung losgeht. Und dass sie ein Dach über dem Kopf kriegen. Denn in diesem Dschungel will es keiner länger aushalten als nötig."
Unsere Korrespondentin Kerstin Gallmeyer über das Flüchtlingslager in Callais

Die Hälfte der Flüchtlinge ist wohl bereit, freiwillig das Lager zu verlassen, sagt Kerstin. Sie haben sich in den letzten Wochen und Monaten entschieden, in Frankreich zu bleiben, sagt Kerstin. Die Ernüchterung ist zu groß. Einfach, weil es fast unmöglich ist, nach Großbritannien zu kommen.

Flüchtlinge stehen in einer langen Schlange.
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Jene, die freiwillig das Lager verlassen wollen, packten ihre Sachen und stellten sich schon in der Nacht an.

Andere wollen in Calais bleiben. Sie hoffen weiterhin darauf, doch irgendwie über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Das ist ihr Ziel, nicht Frankreich. Dass jene, die keinen neue Unterkunft in Frankreich akzeptieren, sich jetzt auf den Weg nach Belgien machen könnten, das befürchtet die Regierung in Brüssel. Sie wollen kein neues Calais in Belgien.

Unser Brüssel-Korrespondent Thomas Otto über Belgiens Regierung
"Zeebrugge, das ist die Befürchtung, könnte jetzt zum neuen Anlaufpunkt für Flüchtlinge werden."