Wenn sich in der Beziehung zwischen Polizei und Gesellschaft ändern soll, dann müssen alle etwas dafür tun, sagt Daniel Loick. Der Forscher stellt konkrete Forderungen auf, was genau jetzt gemacht werden muss.

Eigentlich ist in Deutschland das Vertrauen in die Polizei mit 85 Prozent ziemlich hoch. Doch im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd in den USA protestierten viele Menschen gegen Polizeigewalt, die es auch in Deutschland gibt.

Die Mehrheit der Menschen vertraut der Polizei – aber ist das genug?

"Für die Mehrheitsgesellschaft ist die Polizei kein Problem", sagt Daniel Loick, der zum Verhältnis von Polizei und Gesellschaft forscht. Der Kontakt ist selten und passiert eher, weil man sie selbst gerufen hat. Deswegen sei die Mehrheit auch überrascht, wenn Vorwürfe wegen Polizeigewalt immer lauter werden.

"Man muss sich trotzdem fragen: Wer sind diese 15 Prozent?"
Daniel Loick; Politikwissenschaftler

Die 15 Prozent, die der Polizei nicht vertrauen, bestehen vor allem aus schwarzen Menschen, Menschen of Colour oder mit Migrationshintergrund, Wohnungslosen, Drogennutzenden – also laut Daniel Loick aus denjenigen, "für die die Polizei im Alltag nicht Freund und Helfer ist, sondern die die Polizei als eine Institution erleben, die gewalttätig ist und schikaniert."

Es gibt zwar Studien zu Polizeigewalt, die sogar belegen, dass diese zunimmt. Aber die eigentlichen Stimmen der Betroffenen sind in der Öffentlichkeit und in den Medien selten zu hören, kritisiert Daniel Loick: "Viele der Leute, die im Alltag Opfer von Racial Profiling sind, werden nicht eingeladen in Talkshows, deren Geschichte hört man auch nicht. Sie werden von wissenschaftlichen Studien häufig nicht beachtet. Sie haben auch selten rechtliche Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen."

"Es ist ja nicht erst seit gestern so, dass Leute von Rassismus berichten oder auch von Rassismus seitens der Polizei berichten."
Daniel Loick, Politikwissenschaftler

Die Hoffnung des Wissenschaftlers ist, dass gerade im Zusammenhang der jetzigen Ereignisse die Zivilgesellschaft Polizeigewalt langfristig mehr ernst nimmt "und auch zur Kenntnis nimmt, wie gravierend das Leid ist, was da verursacht wird." Er merkt aber auch an, dass bei diesem Prozess ein langer Atem nötig ist.

Dafür seien laut Daniel Loick institutionelle und politische Änderungen nötig. Man dürfe etwa der Polizei nicht überlassen, die Vorfälle von Polizeigewalt selbst zu untersuchen. Dafür brauche es eine unabhängige Beschwerdestelle und auch eine Kennzeichnungspflicht, sodass man Polizisten überhaupt identifizieren kann, wenn sie etwa auf Demonstrationen gewalttätig werden.

Es bräuchte generell mehr Raum, wo die Erfahrungen der Betroffenen ernst genommen und aufgearbeitet werden, appelliert der Forscher.

"Wenn man jetzt Opfer von Polizeigewalt wird, muss man sich an die Polizei selbst wenden – was nicht ideal ist."
Daniel Loick, Politikwissenschaftler

"Insgesamt müssen wir umdenken als Gesellschaft, dass wir nicht alle Probleme mit Mitteln der Polizei lösen", sagt der Wissenschaftler und fordert dabei mehr Fantasie: Als Beispiel nennt er dabei Drogenpolitik, denn Racial Profiling wird häufig auch mit vermuteten Drogendelikten begründet, so der Forscher. Wenn laut Daniel Loick 30 Prozent der Menschen, die in Deutschland im Gefängnis sitzen, wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz einsitzen, dann bräuchte es keine polizeiliche Lösung, sondern eher eine Entkriminalisierung von bestimmten Drogen.

Die Forderung der Abschaffung der Polizei, die gerade besonders in den USA diskutiert wird, ist laut Daniel Loick bemerkenswert: "Diese Idee, dass man gesellschaftliche Konflikte nicht polizeilich löst, sondern mit der demokratischen, sozialen und kulturellen Teilhabe. Das halte ich für extrem interessant."