Auch blinde Menschen machen gerne Fotos. Doch Fotografieren als Hobby oder künstlerischer Ausdruck von Menschen die nicht sehen können? Schwer vorzustellen. Wie das funktioniert, konnten sich Sehende und Blinde auf einem Workshop in der Berliner Brotfabrik zeigen lassen. Unsere Reporterin Juliane Neubauer war dabei.

Die blinde Fotografin Silja Korn und die sehende Workshop-Teilnehmerin Christina haben gemeinsam eine Statue erkundet. Durch Berührung. Christina mit Augenmaske, um die Wahrnehmung von Blinden nachzuspüren. Nach dem ersten Eindruck des Motivs hat eine Assistentin ihr beschrieben, was im Display der Digitalkamera zu sehen ist: das Motiv, der Hintergrund und der Abstand. Dann drückt sie den Auslöser.

"Wie sie mir beschrieben hat, was sie auf meinen Fotos sieht, da ging wieder so ein Fenster auf - zu der Welt, die ich verlassen musste, weil ich blind geworden bin. Das fand ich sehr schön."

Silja Korn ist seit ihrem 12. Lebensjahr durch einen Unfall erblindet. Als Fotografin ist sie seit zehn Jahren tätig. Inspiriert hat sie eine Künstlerin. Sie hatte Silja Korn gebeten in Berlin Fotos zu machen. Das war ihr Schlüsselerlebnis: "Da geht wieder so ein Fenster auf zu der Welt, die ich verlassen musste, weil ich blind geworden bin, das fand ich sehr schön."

Meistens geht Silja Korn ohne Assistent auf Fototour, dabei verlässt sie sich auf ihre Wahrnehmung. Geräusche, Gerüche und tastbare Gegenstände inspirieren sie. Ein Assistent gibt ihr aber die Möglichkeit, Dinge wahrzunehmen, die sie sonst nicht bemerken würde. Der muss natürlich möglichst objektiv beschreiben, was zu sehen ist, ohne Tipps zur Bildkomposition zu geben. Das möchte sie dann selbst entscheiden.

"Dadurch, dass es auch in Museen Führungen für Blinde gibt, gibt es auch Interesse. Geburtsblinde wagen sich da ran."

Workshopteilnehmerin Christiane ist überrascht, wie gut ihr Bild mit verbundenen Augen geworden ist: "Ich hab es mir in der Tat so vorgestellt", meint sie. Silja Korn zeigt ihre Fotos auch im Netz. Oft wirken sie wie Schnappschüsse. Sie fasziniert am Fotografieren vor allem der Austausch mit den Sehenden."Dabei ist das Endprodukt gar nicht das Wichtigste, sondern der Prozess."

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