Für viele von uns ist es ganz normal ein Smartphone zu besitzen. Für Frauen in Afrika kann es lebensrettend sein. Eine neue Studie hat nun die Wirkung der Smartphone-Nutzung auf die Stellung der Frau untersucht.

Die Studie von Forscherinnen der Oxford Universität fand heraus: Regionen, in denen besonders viele Frauen ein Smartphone haben, sind generell sozial und wirtschaftlich weiter entwickelt, fasst Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika zusammen. Für Frauen bedeutet das nämlich: mehr Gerechtigkeit, mehr Aufklärung und mehr Mut, die Rechte einzufordern, die ihnen zustehen.

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In der Studie haben die Forscherinnen vor allem für die Staaten in der Subsahara-Region Afrikas anschauliche Zahlen erhalten. Denn Subsahara-Afrika gehört zu den Regionen, in denen gerade weltweit die Smartphone-Nutzung am rasantesten zunimmt. Laut einer Rechnung der Industrievereinigung GSM sollen dort im Jahr 2025 über 600 Millionen Menschen ein Smartphone nutzen. Das entspräche der Hälfte der Bevölkerung dieser Region, erklärt Dunja Sadaqi.

Lebenswichtige Begleiter

In Ländern, in denen es keinen regulären Sexualkunde-Unterricht gibt, strikte Abtreibungsverbote herrschen und Schwangerschaften außerhalb der Ehe ein ewiges Stigma bleiben, sind die Smartphones für Frauen lebenswichtig. Die Studie der Oxford Universität fand beispielsweise heraus, dass Mobiltelefone die Gesundheitsversorgung deutlich verbessert haben: Es wurde mehr verhütet und weniger Mütter und Kinder starben.

Sexuelle Aufklärung

Die 23-jährige Chiaratou Moutairo aus dem Küstenstaat Benin kann sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Nachrichten, Unterhaltung und vor allem Bildung bietet es ihr. So zum Beispiel zum Thema sexuelle Gesundheit. Nur durch ihr Smartphone hat die Studentin Chiaratou die Möglichkeit, sich besser über das Thema Sex zu informieren. Denn oft gebe es nur Falschinformationen, die sich schnell verbreiten, erzählt sie.

"Das Smartphone erlaubt dir, dich komplett über das Thema Sex zu bilden. Denn eine der Fallen beim Thema Sexualaufklärung sind die Falschinformationen durch Hörensagen."
Chiaratou Moutairo, Studentin in Benin

Denn auch, wenn viel darüber geredet wird – ein Tabuthema ist Sex immer noch, sagt Chiaratou.

Gleichberechtigung in einer ungleichen Gesellschaft

Einer der großen Vorteile eines Smartphones: Die Frauen können es privat nutzen und sich so in einer konservativen Gesellschaft über Tabuthemen besser oder überhaupt erst informieren. Besonders würden davon, laut der Studie, Frauen in abgehängten Regionen profitieren.

Kassiererin Lolo Ba kann das bestätigen. Heute lebt die 28-jährige Senegalesin in der Hauptstadt Dakar, sie stammt jedoch ursprünglich aus Dahara, einer Region mit schwacher Infrastruktur, 150 km entfernt von Dakar. Das Smartphone gab ihr die Möglichkeit, juristische und politische Sendungen anzuschauen und sich so besser über ihre Rechte als Frau zu informieren, erzählt sie.

"Mir hat das Smartphone beigebracht, welche Rechte ich als Frau habe. Ich habe mir juristische und politische Sendungen angehört - das hat meinen Horizont erweitert."
Lolo Ba, Kassiererin aus dem Senegal

Hilfe bei gewalttätigen Übergriffen

Smartphones können zudem zur der Aufklärung von Gewalttaten an Frauen beitragen. Laut Menschenrechtsorganisationen ist die Strafverfolgung bei Gewalt an Frauen in beispielsweise Nigeria viel zu lasch. Oft verlaufen die Ermittlungen im Sande, sagt Dunja Sadaqi.

Clara Paul, Hotelfachfrau in Nigerias Hauptstadt Abuja Clara, erzählt, dass sie immer wieder von sexuellen Belästigungen an Frauen durch Lehrpersonen an Schulen oder Universitäten hört. Viele Täter konnten durch Tonmitschnitte oder aufgezeichnete Videos von Smartphones rechtlich belangt werden.

"Wir hören immer wieder, dass Frauen von Lehrpersonen in der Schule oder Universität sexuell belästigt werden. Die meisten Täter konnten durch Telefone überführt werden, weil Gespräche aufgezeichnet wurden oder Videomaterial existiert."
Clara Paul, Hotelfachfrau in Abuja Clara

Mit dem Video- und Tonmaterial werde den Frauen außerdem viel öfter geglaubt.

Mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft

Clara Paul findet, dass Smartphones und auch die sozialen Medien dazu beitragen, dass Frauen in der Gesellschaft sichtbarer werden. Beispielsweise könnten Frauen mit Videos zeigen, was sie können, damit die Männer sie als gleichwertige Mitmenschen ansehen, sagt sie.

"Frauen benutzen die Mobiltelefone um zu zeigen, was sie können, und so haben manche Männer angefangen zu akzeptieren, dass Frauen fähig sind all das zu tun, was Männer können - oder sogar mehr."
Clara Paul über mehr Sichtbarkeit in den sozialen Medien

Ein noch ungelöstes Problem bei der Smartphone-Nutzung ist die Stromversorgung, sagt Dunja Sadaqi. Allein in Nigeria haben 70 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu einem stabilen Stromnetz. Bis ein geladener Akku zur Selbstverständlichkeit wird, dauert es also noch.