Seit der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan leben viele Menschen im Land in Sorge. Besonders Mädchen und Frauen sind vielerorts ohne Schutz, sagt Christina Ihle vom Afghanischen Frauenverein. Ihre Mitarbeiter sind noch vor Ort und versuchen zu helfen.

Besonders die Mädchen hätten Angst, dass sich nach dem Abzug der letzten Soldaten aus dem Land ein "anderes Gesicht der Taliban zeigen könnte", wie Christina Ihle vom Afghanischen Frauenverein in Hamburg berichtet.

Noch seien viele der Schulen, die der Frauenverein finanziert, offen. Es herrsche eine fast gespenstische Ruhe. Die Bevölkerung vor Ort habe die Schulen immer unterstützt und auch vor den Taliban verteidigt. Doch wie lange die Kinder und Mädchen weiterhin unterrichtet werden können, weiß im Moment niemand.

"Alles ist fast gespenstisch ruhig - und die Angst ist riesengroß, dass sich das alles ändert, sobald die letzten internationalen Kräfte abgezogen sind."
Christina Ihle, Afghanischer Frauenverein

Der Afghanische Frauenverein (AFV) ist eine humanitäre Hilfsorganisation aus Hamburg, die sich seit 1992 für den Wiederaufbau und Frieden in Afghanistan einsetzt. Besonders Frauen und Kindern wird mit unterschiedlichen Projekten geholfen.

Auch aktuell sind noch alle 190 lokalen Mitarbeitenden des Vereins vor Ort, wie Christina Ihle berichtet. Sie arbeiten weiter - auf dem Land aber auch in der Stadt, trotz der schwierigen Bedingungen.

"Wir müssen sehr vorsichtig sein."
Christina Ihle, Afghanischer Frauenverein

Mit Ärzten, Medizin, Care-Paketen, Wasser und Decken kümmern sie sich zur Zeit vor allem um die Frauen und Kinder, die als Binnenflüchtlinge im Land unterwegs sind: Viele von ihnen sind von Kundus und anderen Gebieten aus nach Kabul geflohen, als die Stadt noch als sicherer Ort galt. Jetzt sind sie notdürftig untergebracht, es fehlt an allem, auch an Lebensmitteln.

"Die Kinder sind krank und mangelernährt, viele haben Brechdurchfall."
Christina Ihle, Afghanischer Frauenverein

"Unser größtes Schutzschild vor Ort ist unsere Neutralität", sagt Christina Ihle. Noch lassen die Taliban den Verein gewähren. Doch die Lage kann sich stündlich ändern - und die Helferteams sind nur dann im Einsatz, wenn auch ihre eigene Sicherheit gewährleistet ist.