Freiwilligenarbeit in Costa Rica, Work and Travel in Australien: Vielen hat Corona einen Strich durch die Pläne nach dem Schulabschluss gemacht. Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Organisation der Freiwilligenarbeit aus. Denn der Andrang auf lokale Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr in Deutschland ist dieses Jahr umso größer.

Wegen der Corona-Pandemie können wir nicht so leicht ins Ausland wie früher. Das wirkt sich auch auf die Pläne all jener aus, die nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr geplant hatten. Die müssen umdisponieren und sich jetzt Anlaufstellen in Deutschland suchen. Zumindest ist das unkomplizierter.

Das freut Bundesländer wie Sachsen-Anhalt zum Beispiel. Dort sind dieses Jahr alle Freiwilligen-Stellen besetzt. Das gab es noch nie, sagt Susanne Ney vom Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst in Sachsen-Anhalt. Inzwischen muss sie sogar Absagen erteilen. Spätentschlossene sollten die Hoffnung aber dennoch nicht aufgeben: Es werden auch immer wieder Stellen frei, weil jemand abspringt oder die Stelle für die Person doch nicht passt, sagt sie.

"Für mich war weder klar, dass ich ein Freiwilligen-Arbeitsjahr mache, noch, dass ich es hier mache. Ich wollte erst im Ausland studieren."
Henrike, FSJ-lerin aus Magdeburg

Henrike aus Magdeburg hat allerdings eine der begehrten Stellen ergattert. Dabei hatte sie eigentlich ganz andere Pläne. Die 20-Jährige wollte Politikwissenschaften in Schottland studieren. Das hat nicht geklappt.

Ihr Plan B: "Woofing" – also auf einem Biobauernhof helfen. Doch dann kam Corona und auf vielen Bauernhöfen konnten nicht ausreichend Hygiene-Maßnahmen gewährleistet werden.

Freiwilligendienst in der Heim-Variante

Darum leistet Henrike ihren Freiwilligendienst jetzt in der Heim-Variante: Sie digitalisiert Bücher bei der Landesstelle zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Magdeburg. Für 355 Euro im Monat.

Normalerweise wäre Henrike die einzige Freiwillige. Doch dieses Jahr gibt es zwei Stellen. In vielen Einrichtungen wurden Stellen aufgestockt, um den Andrang an Freiwilligen aufzufangen. Denn: Auf eine Stelle kommen zum Teil 30 Bewerbungen.

Vermittler von Freiwilligendiensten ins Ausland bedroht

Von einem solchen Andrang können Reiseanbieter, die Freiwilligendienste ins Ausland vermitteln, nur träumen. Denn die Corona-Pandemie macht viele Projekte unmöglich. Gerade in den für die Freiwilligenarbeit klassischen Ländern Lateinamerika, Afrika oder Asien ist die Pandemie noch stark, sagt Tanja Brandt, Chefin von Travel Works.

"In vielen Ländern, die beliebt für Freiwilligenarbeit sind, ist die Pandemie noch voll in der Dynamik."
Tanja Brandt, Chefin von Travel Works

Schwierig ist es auch, in soziale Projekte einzusteigen, so Tanja Brandt. Zu oft sei das Risiko zu hoch und Schutzmaßnahmen könnten nicht gewährleistet werden. Die Firma lebt in der Pandemie vom Ersparten. Ähnlich sieht es bei anderen Anbietern aus. Viele sind in Kurzarbeit oder bieten vor allem Aupair-Vermittlung oder Sprachreisen an.

Freiwillige in der Corona-Krise gebraucht

Auch wenn es auf die Stellen in Deutschland einen großen Andrang gibt: Freiwillige werden dieses Jahr besonders gebraucht. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie, als viele Schulen, KiTas und Altenheime vorübergehend schließen mussten, fielen viele Freiwilligendienste erst einmal aus oder mussten abgebrochen werden.

52.000 Menschen absolvierten zu der Zeit in Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr. Damit sich die Freiwilligen trotzdem weiter engagieren konnten, wurde eine Tauschbörse eingerichtet. Sie kehrten nicht in ihre alten Stellen zurück, sondern wurden dorthin geschickt, wo sie während der Pandemie gebraucht wurden. Dieses Jahr heißt es eben für alle: Flexibel in der Planung bleiben.