Der Internationale Fußballclub Rostock sagt: Fußball ist politisch. Deswegen stellt er sich offen gegen Rechts und Homophobie, beteiligt sich beim Christopher Street Day, unterstützt Geflüchtete und ruft zu Demonstrationen auf. Das polarisiert.

Fußball-Fans, die sich rassistisch äußern, den Schiedsrichter als schwul bezeichnen oder Affenrufe von sich geben – all das hat Nils Birkner erlebt. Er findet, dass auch Fußballclubs und ihre Mitglieder Haltung zeigen sollten. Seiner Meinung nach kann Fußball durchaus politisch sein und sollte es auch.

Das Politische im Sport

Deswegen hat Nils Birkner vor fünf Jahren mit ein paar Freunden den Internationale Fußballclub Rostock (IFC) gegründet. In einer Zeit, in der sich Deutschland zwischen Willkommenskultur, Angela Merkels "Wir schaffen das" und Angriffen auf Geflüchtete bewegt hat.

Ziel des IFC ist es, einen Freiraum zu öffnen. In diesem Club sollen Menschen, egal welcher Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Neigungen, Sport treiben können.

"Ich habe keinen Bock darauf, in einem Fußballverein zu spielen, wo ein Schiri oder ein Gegenspieler als schwul oder Schwuchtel beschimpft wird."
Robert Dassow, Fußball-Spieler beim IFC

Ein Fußballverein, der sich offen gegen Hetze, Rassismus und Homophobie stellt – das gefällt nicht jedem. 2017 haben Unbekannte Porzellanscherben auf dem Rasen des IFC verteilt. Auf dem Porzellan waren Reichsadler mit Hakenkreuzen zu erkennen. Glücklicherweise verletzt sich kein Spieler an den Scherben.

IFC Rostock: Love Football. Hate Racism.

Wer sich gegen rechtsextremes Gedankengut äußert, wird direkt in die linke Ecke geschoben, sagt der IFC-Spieler Steven Schwartz. Das hindert aber die Mitglieder des Clubs nicht daran, ihre politische Gesinnung weiterhin offen zu zeigen.

Die Spieler des IFC tragen T-Shirts mit dem Aufdruck: Love Football. Hate Racism. Ihre Fans bringen Banner zu den Spielen, auf denen steht: "Linke Zentren verteidigen", "Gegen rechte Gewalt", "Refugees Welcome". Für den Fußballer Steven Schwartz ist das selbstverständlich.

"Da wird man leicht in eine linke Ecke geschoben: Der Zeckenverein, der eigentlich nichts anderes macht, als Werte zu vertreten, die im Grundgesetz stehen. Dafür müssen wir uns auch noch rechtfertigen."
Steven Schwartz, IFC-Spieler

In anderen Vereinen gilt es nicht als ganz so selbstverständlich, offen Haltung gegen rechts zu zeigen. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katharina Elsner spricht auch mit Bodo Dethloff, dem Vorstandsvorsitzenden des Vereins in Klein Belitz, einem Ort der rund 40 Minuten von Rostock entfernt liegt. Im Verfassungsschutzbericht taucht Klein Belitz als Ort auf, in dem die NPD ein Gemeindehaus gekauft hat - Treffpunkt der rechtsextremistischen Szene.

Einige der Fans dieses Clubs haben Hakenkreuze oder das Logo des rechtsextremen Netzwerks Blood-and-Honor auf der Haut tätowiert. Dass manche Fans offensichtlich rechtsextrem sind, weiß der Vorstandsvorsitzende und duldet es. Er betont, dass auf dem Fußballplatz über Politik nicht geredet wird und keine menschenfeindlichen Sprüche fallen.

Dieter Möller vom Kreisfußball-Verband Warnow weicht aus, wenn es um das Thema IFC geht. Dieter Möller ist davon überzeugt, dass ein Fußballclub politisch neutral sein sollte. Er sagt, dass ein Verein sich nicht politisch einmischen sollte, und dass er das auch nicht darf.

Haltung zeigen und einen Gegenpol bilden

Robert Dassow ist Spieler beim IFC. Er sagt, dass wir in Zeiten leben, in denen politische und gesellschaftliche Strukturen immer weiter nach rechts rücken. Es überrascht ihn nicht, dass die politische Haltung seines Vereins kritisiert und angegriffen wird. Gerade deswegen findet er es wichtig, einen Gegenpol zu bilden und für ein offenes Miteinander zu werben.