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Das deutsche Team ist im Viertelfinale bei der EM ausgeschieden. Aber das nächste große Turnier steht schon vor der Tür: 2022 findet die Weltmeisterschaft in Katar statt. Fußball-Journalist Philipp Köster findet, es gibt keinen Grund, sich auf dieses Ereignis zu freuen.

Philipp Köster ist der Chefredakteur vom Fußballmagazin 11 Freunde und blickt der WM in Katar sehr kritisch entgegen: "Katar versucht seit vielen Jahren im Spitzensport Einfluss zu gewinnen, um quasi sogenannte Soft Power, also Einfluss jenseits von militärischer Stärke, auf dem Weltmarkt auszuüben."

Philipp Köster ist der Meinung, dass es bei der kommenden Weltmeisterschaft weniger um das sportliche Ereignis, dafür umso mehr um Diplomatie und Außenpolitik geht. Gleichzeitig liege in Katar viel im Argen, insbesondere im Bereich der Menschenrechte, Arbeiterrechte, auch der Rechte der Homosexuellen.

"Insofern ist diese WM 2022 eigentlich kein sportliches Ereignis, sondern quasi Außen-Diplomatie dieses Staates, bei dem ganz viel im Argen liegt."
Philipp Köster, Chefredakteur vom Fußballmagazin 11 Freunde
Katarische Fans kommen zur Eröffnung des Al-Wakrah Stadions. Die erste Spielstätte, die für die WM 2022 neu gebaut wurde.
© picture alliance | dpa | Sharil Babu
Katarische Fans kommen 2019 zur Eröffnung des Al-Wakrah Stadions. Die erste Spielstätte, die für die WM 2022 neu gebaut wurde.

Philipp Köster sagt, ihn und seine Kollegen und Kolleginnen habe es vor allem geschockt, wie planmäßig diese WM durch Bestechung nach Katar geholt wurde. Er erklärt: "Dazu muss man wissen, dass eigentlich seit 1990/1994 kaum ein Turnier mehr ohne Bestechung vergeben worden ist. Allerdings – das haben jetzt die ganzen Fifa-Prozesse in New York gezeigt – hat Katar tatsächlich besonders viel Geld und besonders dreiste Mittel angewandt, um dieses Turnier dann an den Golf zu holen." – Ohne, dass es in dem Land eine nennenswerte Fußballkultur gibt, ergänzt der Journalist.

Boykottaufrufe aus nordischen Ländern

Es gebe viele Fußballfans in Deutschland, die gegen eine WM im Winter in Katar sind. Gleichzeitig gebe es aber auch viele, die großes Interesse daran haben, dass dieses Turnier stattfindet. "Die sehen in dieser ganzen Region einen wahnsinnig interessanten Zielmarkt. Die sehen mit Katar einen wahnsinnig finanzkräftigen Sponsor. Und die wollen natürlich, dass es einfach immer weitergeht mit dem Geldverdienen bei den großen Weltmeisterschaften", sagt Philipp Köster.

"Was die am allerwenigsten gebrauchen können, sind die Leute, die in die Suppe spucken und sagen: Dieses Turnier sollt ihr lieber nicht veranstalten."
Philipp Köster, Chefredakteur vom Fußballmagazin 11 Freunde

Zur Zeit laufen in New York große Fifa-Prozesse, bei denen Gerichte unter anderem die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar prüfen. "Sollten US-Gerichte die Fifa-Vergabe als kriminellen oder mafiösen Akt einordnen, dann dürfte es für große Sponsoren aus Amerika ziemlich schwierig sein, dieses Turnier noch zu unterstützen." Ein solches Urteil und seine Folgen könnten die WM in Katar vielleicht sogar noch verhindern. Wahrscheinlich ist das aber eher nicht.

"Diese Weltmeisterschaften sind der große Goldesel des Internationalen Fußballverbandes Fifa."
Philipp Köster, Chefredakteur vom Fußballmagazin 11 Freunde

Alle großen Fußballverbände profitieren von einer Weltmeisterschaft, denn es ist eines der größten, globalen Sportereignisse, die es überhaupt gibt. "Wenn man sagen würde, 2022 pausieren wir einfach mal, dann wäre das ein schwerer finanzieller Schlag", sagt Philipp Köster. Und er ergänzt: "Alle rechnen damit, dass die Kohle da fließt. Also davon kann man ausgehen, dass kein großer Verband wirklich die Stimme erheben wird und sagen wird: 'Hey, dieses Turnier boykottieren wir.'"

Gerade deswegen findet Philipp Köster es wichtig, eine kritische Öffentlichkeit herzustellen. Und jede Gelegenheit zu nutzen, um auf die Probleme, wie etwa Missachtung von Menschenrechten, hinzuweisen und Druck auf Katar auszuüben.