Ein einst beliebter König verliert immer mehr das Vertrauen seiner Bevölkerung. Bis im Land am Nil schließlich das Militär die Macht übernimmt.

Ägyptens König Faruq I. ist seit 1936 König im Land am Nil und in der Bevölkerung sehr beliebt. Er gilt als aufgeschlossen und modern, hat ein lockeres Verhältnis zur islamischen Geistlichkeit und will das Land liberal und säkular führen.

Bei den Jüngeren kommt gut an, dass sich ein König zum ersten Mal in der ägyptischen Geschichte bei seiner Inthronisierung in einer öffentlichen Radioansprache an das Volk wendet. Aber der Regierungsstil von Faruq I. führt auch zu Konflikten mit der Muslimbruderschaft, die sich, 1928 gegründet, schnell ausgebreitet hat.

Ägypten wird zum Schlachtfeld

Faruq I. will sein Land aus dem Zweiten Weltkrieg heraushalten. Aber als der Sueskanal durch italienische Truppen bedroht wird, greift gegen seinen Willen Großbritannien zur Sicherung der international bedeutsamen Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Rotem Meer ein und provoziert damit eine Intervention der deutschen Wehrmacht.

Ägypten wird zum Schlachtfeld und der Lebensstandard der Menschen sinkt rapide, gleichzeitig wird bekannt, dass Faruq I. in Saus und Braus lebt. Die Menschen erkennen, dass ihr Land hilf- und bedeutungslos geworden ist und lasten diesen Umstand ihrem König an.

1942 kann Faruq I. einem Umsturz noch knapp entgehen, als sich aber nach dem Krieg gegen den gerade erst gegründeten Staat Israel 1948 erneut ein wirtschaftlicher Absturz abzeichnet, kommt es zu schweren Unruhen in Ägypten. Militante Freischärler geraten in einen Schusswechsel mit britischen Soldaten, die zur Sicherung des Sueskanals im Land sind.

Wieder macht sich in der ägyptischen Bevölkerung ein Gefühl der Ohnmacht und Unfähigkeit ihres Königs breit. Am 23. Juli 1952 übernimmt schließlich das Militär die Macht im Land. General Muhammad Nagib wird Präsident, Gamal Abdel Nasser sein Ministerpräsident. Zwei Jahre später stürzt Nasser Nagib und wird selbst ägyptischer Präsident.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Nahost- und Ägyptenexperte Wolfgang G. Schwanitz beschreibt Gamal Abdel Nasser als starken Mann Ägyptens.
  • Der Kieler Islamwissenschaftler Sebastian Elsässer erläutert das Verhältnis zwischen Islam und Politik in Ägypten.
  • Die ARD-Korrespondentin Anna Osius begibt sich Spurensuche nach Gamal Abdel Nasser im heutigen Ägypten.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld fasst zusammen, wie sich Ägypten vor dem Putsch vom Juli 1952 entwickelt hat
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Veronika von Borries geht zurück in ein Kairoer Straßencafé, wo die Menschen im Sommer über die politischen Ereignisse diskutieren.