Die Fantasy-Romane "Das Lied von Eis und Feuer" und die Serie "Game of Thrones" von George R. R. Martin haben weltweit riesige Erfolge gefeiert. Aber warum? Eine Studie sagt jetzt: Die Geschichte orientiere sich an realistischen sozialen Konzepten.

Komplex und mit wahnsinnig vielen Figuren, aber trotzdem zugänglich. Spannend mit all den plötzlichen, willkürlichen und kaum vorhersehbaren Todesfällen und trotzdem nicht unrealistisch. George R. R. Martin versteht sein Handwerk, sagen jetzt Forschende aus den Bereichen Mathematik, Physik und der Psychologie. Sie wollten herausfinden, worin der Erfolg der Fantasy-Reihe liegt.

Ihr Fazit: Eine gute Geschichte sollte sich immer innerhalb der mentalen Grenzen ihrer Leserschaft bewegen. Und das sei George R. R. Martin vorbildhaft gelungen.

"Ein guter Autor, eine gute Autorin bewegen sich immer innerhalb der mentalen Grenzen ihrer Leserschaft."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Figurenkonstellationen sind überschaubar

Dafür haben sich die Forschenden die 2000 Figuren, die in den fünf Originalbüchern vorkommen, und deren Verflechtungen genauer angeschaut. 2000 Charaktere sind eigentlich zu viel, um sich alle zu merken. Doch den Forschenden fiel auf, dass pro Kapitel immer nur etwa 35 Figuren gemeinsam auftauchen. Und das sei auch die Anzahl an Personen, die wir im realen Leben noch gut überschauen könnten.

"Pro Kapitel tauchen immer nur etwa 35 Figuren auf. Das ist auch eine Größe, mit der wir im realen Leben gut umgehen können."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Gruppen von indigenen Jäger- und Sammler-Gemeinschaften haben beispielsweise diese Größe und auch schon Shakespeare hat ungefähr so viele Figuren in seinen Stücken erscheinen lassen.

Weniger Tode als man denkt

Auch der Tod von vielen Figuren ist ein wichtiges Element in der Erzählung von George R. R. Martin. Er kommt immer dann vor, wenn man am wenigsten damit rechnet. Dass liebgewonnene Heldinnen und Helden in Geschichten sterben, ist eigentlich ein No-Go in Erzählungen. Doch Martin setze dieses Element bewusst ein, um mehr Spannung zu erzeugen, wie der Autor selbst erzählt.

"In der Zeitlinie der Geschichte gibt es immer auch Phasen, in denen gar nicht viel gestorben wird und erst gegen Ende der Zeitlinie häufen sich die Todesfälle."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dass in der Erzählung andauernd Menschen sterben, sei aber nur eine rein subjektive Wahrnehmung der Leserinnen und Leser, sagen die Forschenden. Hier müsse zwischen der Erzählzeit, also der Zeit, in der man als Leserin oder Leser da Buch liest, und der erzählten Zeit, der Zeitlinie der Geschichte selbst, unterscheiden. Die Analyse zeigt: In der Zeitlinie der Geschichte gebe es immer wieder Phasen, in denen kaum eine Figur stirbt. Erst gegen Ende der Zeitlinie häuften sich die Todesfälle.

Doch da in den Kapiteln in der Zeit andauernd hin- und hergesprungen wird und unterschiedliche Figuren die Geschichte aus ihrer Sicht erzählten, wirke es so als ob andauernd eine Person sterbe.