Als Maßnahme gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus könnte es bald die ersten Geisterspiele in der Bundesliga geben. Dann wird es in den Stadien verdammt still. Aber wie wichtig ist eigentlich das Publikum im Profi-Sport? Wir fragen Marina Schweizer aus der Dlf-Sportredaktion.

Für die 1. Bundesliga wäre es das erste Mal, dass ein Fußballspiel ohne Publikum stattfindet. In der 2. Bundesliga fand 2004 zum ersten Mal ein sogenanntes Geisterspiel statt. Aachen spielte gegen Nürnberg unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Sanktion gegen Fans von Alemannia Aachen.

Wenn man auf einmal den Trainer brüllen hört

Ein Spieler, der damals vor leeren Rängen auf dem Platz stand, hat aktuell in einem Interview von der Situation damals erzählt. Vor allem die Stille sei sehr irritierend gewesen. Eben, dass die Spieler auf einmal alles hören, was die Trainer über den Platz rufen. Auch den Gesprächen unter den Spielern können auf einmal alle lauschen.

In anderen Sportarten gab es aufgrund der Ausbreitung des neuen Coronavirus schon Veranstaltungen ohne Publikum. Zum Beispiel der Biathlon-Weltcup im tschechischen Nove Mesto Anfang März. Der Sport-Event ist sonst ein echter Zuschauermagnet mit 100.000 jubelnden Fans. Diesmal war nur der Jubel der Trainer zu hören – oder auch gar nichts.

Wie das Publikum wirkt

Der norwegische Top-Biathlet Johannes Thingnes Bø erzählte nach dem Wettkampf, dass es in der Loipe keinen großen Unterschied gemacht habe, ohne Publikum unterwegs zu sein. Entlang der Loipe sind üblicherweise auch nicht die großen Massen an Fans. Die finden sich eher am Schießstand zusammen. Dort sei es ohne großes Publikum sogar leichter gewesen, so Johannes Thingnes Bø.

Je nach Sportart kann es vielleicht sogar helfen, wenn sich Athleten ohne Publikumsgesänge auf ihre Leistung konzentrieren können, so Marina Schweizer aus der Dlf-Sportredaktion. Viele Sportlerinnen und Sportler bereiten sich im Training darauf vor, ob und wie man Publikum wahrnimmt und mit Fans umgeht. Dabei helfen Mentaltrainer, die in einzelnen Sportarten zunehmend wichtig werden, so Marina Schweizer.

"Mentaltrainer bringen den Sportlern bei, wie sie das Publikum für sich nutzen können."
Marina Schweizer, Dlf-Sportredaktion

Beim Tennis zum Beispiel lässt sich das teils gut sehen. Wenn in Wimbledon gespielt wird, dann geht das Publikum meistens richtig mit. Manchmal kann die Stimmung kippen und das Publikum wendet sich schon einmal gegen einen Spieler oder eine Spielerin. "Die richtig Guten können es schaffen, diese Stimmung für sich zu nutzen und sich aus solch einem Loch herauszuholen", sagt Marina Schweizer.

Solche Tricks können Mentaltrainer den Sportlern beibringen, um sich selbst zu pushen – auch gegen das Publikum oder eben, wenn keine Fans da sind. Ohnehin trainieren Profis auch, wie man sich eben nicht zu sehr auf das Publikum und das Umfeld konzentriert, sondern seine Leistung abruft.