Männer verdienen im Sport fast immer mehr als die Frauen. In Australien will eine Organisation das jetzt ändern - und beschreibt 15 Schritte zu mehr Gender-Gerechtigkeit. Deutschland könnte sich davon etwas abschauen.

Der Report der australischen Organisation "Male Champions of Change" beschreibt einen "Pathway of Pay Equality", einen Weg zur Lohngleichheit im Sport in 15 Schritten. Die Organisation will sich damit für mehr Gender-Gerechtigkeit im Sport einsetzen. Verbessert werden sollen die allgemeine Sportkultur, Infrastruktur und der gleichberechtigte Zugang zu Sportangeboten. Ein wichtiger Punkt ist zudem das Gehalt von semi-professionellen und professionellen Sportlerinnen und Sportlern.

Im australischen Fußball verdienen Frauen im Profisport wie in vielen anderen Ländern auch deutlich weniger als die Männer. Das Lohngefälle beträgt zum Beispiel beim Fußball 1,8 Millionen Euro (männlicher Topstar) gegenüber 82.000 Euro (weiblicher Topstar) oder 113.000 Euro (männlich, Durchschnitt) gegenüber 11.000 Euro (weiblich, Durchschnitt).

"Da der DFB nicht auf Profit ausgelegt ist, gibt es eigentlich keinen Grund, warum die Prämien für die gleichen Leistungen so unterschiedlich hoch sind."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Auch in Deutschland verdienen männliche Profisportler mehr als die Frauen. Begründet wird das in der Regel durch die bessere Vermarktbarkeit von Männern. Auch der gemeinnützige Verein Deutscher Fußball-Bund (DFB) sieht das so. So hätte er bei der letzten Europameisterschaft bei einem Titelgewinn den Männern eine achtmal so hohe Siegprämie ausgezahlt, wie die Frauen für einen Titelgewinn bei ihrer EM erhalten hätten.

In Ländern wie Norwegen und den USA werden manche Profisportlerinnen inzwischen ähnlich hoch bezahlt wie Männer (oder sie bekommen ähnlich hohe Prämien). In den USA hatten die Fußballerinnen der Nationalmannschaft 2017 einen Vertrag ausgehandelt, der sie beim Lohn mit den Männern gleichstellt - vorher hatte die Nationalmannschaft Beschwerde bei der US-Gleichstellungsbehörde eingelegt.

Sport: gewinnorientiert oder gemeinnützig?

Bei der Frage nach der Bezahlung von Sportlerinnen und Sportlern geht es immer auch um Grundsätzliches. Wird Sport in erster Linie als Geschäft betrachtet, ist es nachvollziehbar, wenn vor allem Vereine und die Unternehmen dahinter den männlichen Spielern mehr bezahlen - sie locken schließlich mehr Zuschauer an. Unter den Top-Models sind es auch die Frauen, die deutlich mehr verdienen als die Männer.

Soll Sport dagegen eher einen gemeinnützigen Charakter haben und weniger gewinnorientiert sein, gibt es auch gute Argumente dafür, dass weibliche wie männliche Spieler, die auf vergleichbarem Niveau Sport betreiben, ähnlich hoch bezahlt werden. Zudem könnte das Interesse an Frauensport auch dadurch steigen, wenn mehr davon gezeigt würde.