Angela Merkel und Horst Seehofer streiten seit Monaten über das Thema Flüchtlingspolitik. Die große Schwester Angela von der CDU gibt den Kurs vor, der kleine Horst von der Schwesternpartei CSU stänkert dagegen. Wir haben mit einer Therapeutin darüber gesprochen.

Rund dreieinhalb Stunden haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Horst Seehofer am Donnerstag (17.03.2016) miteinander gesprochen. Auch diesmal konnten sie sich nicht einigen. Ihre Positionen in der Flüchtlingspolitik liegen einfach zu weit auseinander. Und irgendwie klingt das auch ein bisschen nach Trotz, wenn Horst Seehofer sagt:

"Ich erwarte eigentlich gar nichts. Ich werde ihr die Situation noch mal darlegen, von der ich überzeugt bin. Ich erwarte aber nicht, dass jetzt die CDU irgendetwas ändert."
Horst Seehofer im Vorfeld des Treffens mit Angela Merkel

Im Prinzip ist dieser Streit vergleichbar mit einem richtig schmutzigen Familienzoff. Und es gibt ähnliches Konfliktpotenzial, analysiert DRadio-Wissen-Reporter Martin Schütz. Die große, ältere Schwester CDU trägt viel Verantwortung, deutlich mehr als die kleine Schwester. Gleichzeitig versucht die Kleine, der Großen nachzueifern, ihr also den Platz streitig zu machen. Ordentlich Konfliktpotenzial also.

Hinzu kommt: Horst Seehofer kann als kleine Schwester CSU nur in Bayern Punkte machen. Das ist vergleichbar mit einer Inselbegabung und das sorgt zusätzlich für Konfliktstoff, sagt die Psychologin Vera Hesse:

"Eine Inselbegabung bedeutet auf der einen Seite, dass jemand zu absoluten Meisterleistungen imstande ist, auf der anderen Seite heißt das aber auch - immer ein bisschen absonderliches Verhalten."
Vera Hesse, Psychologin

Anerkennung und Liebe

Wer jetzt denkt, bei so einem Konflikt muss doch einfach mal jemand ein Machtwort sprechen oder glaubt, mit Strafen käme man weiter, ist leider auf dem Holzweg. Anerkennung und Liebe sind hier der Schlüssel. Um diesen Konflikt in einer Familie beizulegen, müssten die Eltern darauf achten, die Geschwister möglichst gleichzubehandeln. Also gleich viel Liebe für beide. Keine darf das Gefühl haben, weniger Anerkennung zu bekommen, zum Beispiel.

"Jeder muss das Gefühl haben, dass er genug Anerkennung hat. Das ist in einer Partei natürlich schwieriger als in der Familie."
Vera Hesse, Psychologin

Im Falle des Geschwisterstreits zwischen CDU und CSU muss der Wähler in die Elternrolle schlüpfen. Und da bleibt uns derzeit nur die Rolle des Beobachters, denn so richtig loben will derzeit niemand. Weder den einen noch den anderen Kurs. Bleibt also nur zu hoffen, dass Angela Merkel und Horst Seehofer irgendwann diesen Partei-Familien-Zwist beigelegt bekommen - oder auf die nächste Wahl.