Dass es wichtig ist, war Medizinern schon lange klar - aber jetzt könnte das Gekröse sogar in den Rang eines Organs erhoben werden.

War ja klar, dass er es schon immer gewusst hat. Denn neben Flugzeugen, Wehrtechnik und der Malerei hat sich Leonardo da Vinci auch eingehend mit dem menschlichen Körper beschäftigt. Und bei diesen Untersuchungen fiel ihm schon zu Zeiten der Renaissance etwas auf, dass jetzt auch unter Mediziner des dritten Jahrtausends zu neuen Ehren kommt: Das Gekröse.

Das Gekröse könnte bald in den Rang der menschlichen Organe aufgenommen werden - also auf eine Stufe mit Herz, Leber oder Darm gestellt werden. Das empfehlen jetzt irische Wissenschaftler, die sich die Aufhängung des Dünndarmrohres in einer Studie näher angesehen haben, die im Journal The Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht wurde.

Chirurgen bekommen es ziemlich häufig mit dem Gekröse zu tun. Eigentlich immer dann, wenn sie die Bauchdecke öffnen. Es schimmert gelblich und ist mit einer glatten Oberfläche überzogen - dem Bauchfell, erklärt Peter Bürgel, Leiter des Darm- und Magenzentrums am Marienkrankenhaus Hamburg. In der Mitte befindet sich eine Fettschicht, durch die sich die Strukturen ziehen, die den Darm versorgen - Arterien, Venen und Lymphbahnen.

"Der Dünndarm ist vergleichbar mit einem Gartenschlauch - und dieser Gartenschlauch liegt nicht frei in der Bauchhöhle, sondern er hängt an dem sogenannten Darmgekröse."
Peter Bürgel, Leiter des Darm- und Magenzentrums am Marienkrankenhaus Hamburg

Das Gekröse verbindet die inneren Organe mit der Körperwand - genauer den Dünndarm mit der Bauchwand. Im Dünndarm wird alles transportiert und zerkleinert, das wir zu uns nehmen - und anschließend über die Blutgefäße abtransportiert. Genau das passiert in einer Schnittstelle - dem Gekröse. Außerdem versorgt es den Dünndarm mit sauerstoffreichem Blut und transportiert gleichzeitig sauerstoffarmes Blut und Lymphflüssigkeit ab. Oder kurz zusammengefasst: Ohne das Gekröse könnte der Darm keine Nährstoffe aufnehmen.

"Man kann das Darmgekröse mit einem Kabelschacht vergleichen, in dem verschiedene Leitungsbahnen verlaufen, die den Darm mit lebenswichtigen Dingen wie Sauerstoff und Blut versorgen."
Peter Bürgel, Leiter des Darm- und Magenzentrums am Marienkrankenhaus Hamburg

Bisher wurden Darm und Gekröse in der Schulmedizin immer als eine Einheit begriffen. Und Peter Bürgel ist skeptisch, dass die Empfehlungen der irischen Forscher daran etwas ändern werden. Auch weil er oft genug gesehen hat, dass viele Erkrankungen des Darms auch zu Veränderungen des Gekröses führen - die beiden also sehr eng zusammenhängen.