Anders als die Mehrheit in Wales und England, haben fast alle Wahlberechtigten in Gibraltar für einen Verbleib in der EU gestimmt. Teil von Spanien wollen sie aber auf keinen Fall werden.

Schon jetzt stehen die Menschen aus Gibraltar an schlechten Tagen stundenlang an, wenn Sie nach Spanien fahren wollen. Mal länger, mal kürzer, je nach Spannungslage zwischen Spanien und dem Vereinigten Königreich.

Rationale Gründe für einen EU-Verbleib

Damit die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien nicht zu einer noch größeren Hürde wird und sich die Lebenssituation der Gibraltarer weiter verschlechtert, haben 95.9 Prozent der 20.000 Wähler des britischen Überseegebiets bei der Brexit-Abstimmung für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt.

Die Bevölkerung Gibraltars besteht nur zu einem Drittel aus Briten. Der Rest setzt sich größtenteils aus Spaniern, Italienern und Portugiesen zusammen, wobei alle Gibraltarer einen britischen Pass besitzen.

"Viele der Briten sind indischer oder pakistanischer Abstammung und betreiben die Duty-free-Shops, wo man Parfüm, Alkohol und Tabak kaufen kann."
Marc Dugge, Korrespondent auf der iberischen Halbinsel

Neben dem Betreiben eines Duty-free-Shops, verdienen die Bürger ihr Geld im Finanzsektor als Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer oder Fondsmanager, die seit der Enthüllung der Panama Papers allerdings unter strengerer Beobachtung stehen. Der panamaische Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca, der bei der Gründung von rund 300.000 Briefkastenfirmen geholfen haben soll, hat bereits sein Büro im Steuerparadies Gibraltar geschlossen.

Und so wie London befürchtet, seinen Einfluss auf den Finanzsektor in Richtung Frankfurt zu verlieren, geht in Gibraltar die Angst um, bald den Anschluss an die europäischen Finanzmärkte zu verlieren.

Gibraltar will zur EU, aber nicht zu Spanien gehören

Seit dem Brexit werden die Stimmen in Schottland immer lauter, in einem neuen Referendum darüber abzustimmen, sich vom Vereinigten Königreich abzuspalten, um so eventuell in der EU bleiben zu können.

Ähnlichen Gedankenspielen für Gibraltar, zum Beispiel durch einen Anschluss an Spanien, erteilt unser Korrespondent Marc Dugge aber eine klare Abfuhr.

“Für den Vorschlag sich Spanien anzuschließen, erhält man in Gibraltar wohl eher eine Backpfeife.“
Marc Dugge, Korrespondent auf der iberischen Halbinsel

Bei einem entsprechenden Referendum im Jahr 2002 haben über 98 Prozent der Wahlbeteiligten dafür gestimmt, Teil des Vereinigten Königreiches zu bleiben und nicht Spanien beizutreten.

Für spanische Politiker aber kein Hindernisgrund, von einer Wiedereingliederung mit Gibraltar zu träumen. Der spanische Außenminister hat bereits verkündet, dass es noch nie so nahe gewesen sei, dass die spanische Flagge wieder auf dem Felsen von Gibraltar wehen könnte. Aber laut einer Legende ist die britische Herrschaft in Gibraltar erst dann beendet, wenn der letzte Berberaffe den Felsen verlassen hätte. Doch die sind dort mittlerweile zur echten Plage geworden.