Vor 20 Jahren besetzten Greenpeace-Aktivisten die Bohrinsel Brent Spar in der Nordsee. Mit einer spektakulären Aktion hinderten sie den Öl-Multi Shell daran, die Plattform im Meer zu versenken. Abwracken im Meer wurde daraufhin verboten. Aber es ist noch sehr viel zu tun, sagt jetzt eine aktuelle Greenpeace-Studie. Jakob Vogel aus unseren Wissensnachrichten hat sie sich angeschaut.

Die gute Nachricht: Es hat sich viel getan. Die Versenkung von Ölplattformen in der Nordsee wurde 1998 verboten. Seitdem sind mehr als 50 ausgediente Plattformen an Land entsorgt worden. Und laut Greenpeace kommen wohl in den nächsten zehn Jahren noch mal mehr als 30 dazu.

"Die meisten Öl- und Gasplattformen werden in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten abgebaut, weil es in der Nordsee immer weniger Öl und Gas gibt."
Jakob Vogel, Wissensnachrichten bei DRadio Wissen

Zurzeit stehen ungefähr 750 Öl- und Gasplattformen in der Nordsee und im Nordost-Atlantik. Die Fördermengen gehen kontinuierlich zurück. In der Nordsee gibt es immer weniger Öl und Gas. Laut absoluten Zahlen wird die Umwelt also weniger verschmutzt. Auch die Menge an Chemikalien, die noch in den 90ern in die Nordsee geleitet wurde, hat sich reduziert. Aber die Umweltverschmutzung ist trotzdem noch ziemlich hoch.

Weniger Öl- und Gasförderung heißt nicht unbedingt weniger Umweltverschmutzung

Und wenn die Nordsee leergefördert ist, erledigt sich das Problem? Paradoxerweise werden die Umweltprobleme mit den kleineren Fördermengen nicht kleiner. Denn das Verhältnis der produzierten Menge Öl zu Verschmutzung hat sich verändert. Greenpeace fordert deshalb viel strengere Kontrollen. Verstöße gegen Grenzwerte sollen härter geahndet werden und Ölfirmen sollen die Schadstoffmengen reduzieren.

Alternativen sind Zero-Charge-Plattformen. Sie belasten das Meer gar nicht, sondern entsorgen das verschmutzte Wasser entweder an Land oder pumpen es in die Lagerstätten zurück. Nutzen will diese Technik aber anscheinend noch niemand.

"Laut Greenpeace gelangen pro Jahr immer noch mehr als 8000 Tonnen Öl und 220.000 Tonnen Chemikalien durch den laufenden Betrieb ins Meer."
Jakob Vogel, Wissensnachrichten bei DRadio Wissen