Um den Klimawandel nicht noch weiter voranschreiten zu lassen, läuft die Suche nach alternativen Energieträgern für die Zukunft. Einer davon: Grüner Wasserstoff. Doch so grün ist dieser oft gar nicht.

Auch für die Bundesregierung in Deutschland steht fest: Beim Kampf gegen den Klimawandel soll grüner Wasserstoff ein wichtiger Baustein sein. Dieser wird aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne durch Elektrolyse hergestellt. Die gewonnene Energie wird dann gespeichert und dort abgegeben, wo sie gebraucht wird – ganz ohne klimaschädliches CO2.

Dieser grüne Wasserstoff soll in Zukunft vor allem auch aus den bisherigen Öl-Staaten wie Saudi Arabien, dem Oman oder den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen – so planen es diese zumindest. Doch bis dieser Wasserstoff bei uns ist, kann von einem grünen Wasserstoff kaum mehr die Rede sein, sagt der Journalist und Energieexperte Jürgen Döschner.

Grün ist nicht gleich grün

Ein Problem sei bereits, dass nicht alle unter grünem Wasserstoff einen klimaneutralen und aus erneuerbaren Energien hergestellten Stoff sehen. Manchmal wird ein Wasserstoff als grün deklariert, obwohl er aus Gas oder Braunkohle hergestellt wurde, sagt Jürgen Döschner.

Die Argumentation ist dann, dass das entstandene CO2 abgeschieden oder unterirdisch gespeichert und dann anderweitig genutzt werde. CO2 ist bei der Produktion aber erstmal entstanden.

"Manchmal wird Wasserstoff als grün deklariert, obwohl er trotzdem aus Gas oder Braunkohle hergestellt wird."
Jürgen Döschner, Energieexperte

Australien produziert derzeit Wasserstoff ausschließlich aus Braunkohle. Auch bei uns in Deutschland wird der Wasserstoff derzeit noch zu großen Teilen aus fossilen Quellen, insbesondere aus Erdgas, produziert.

Klimaneutraler Transport ist eine große Herausforderung

Angenommen Länder wie Saudi Arabien oder Australien produzieren echten grünen Wasserstoff - es bleibt die Frage nach einem nachhaltigen Transport. Und die ist laut Jürgen Döschner nicht einfach zu beantworten. Die Bundesregierung hat dazu sogar bereits ein eigenes Forschungsprojekt aufgelegt.

"Der Transport von Wasserstoff ist ein großes Problem."
Jürgen Döschner, Energieexperte

Ein Problem: Wasserstoff ist ein Gas, das für den Transport abgekühlt und komprimiert werden muss, auf -250 Grad Celsius.

Während des langen Transports gibt es aber immer etwas Wasserstoff, der sich erwärmt und dann abgelassen werden muss und somit nicht mehr genutzt werden kann.

Wasserstoff braucht besondere Transportmittel

Ein weiteres Problem ist, dass Wasserstoff normalen Stahl angreift, was auch Wasserstoffversprödung genannt wird. Um das zu verhindern, braucht es also Spezialstahl. Solche Tanker herzustellen, sei zum einen technisch nicht ganz einfach, erklärt Jürgen Dörschner. Zum anderen würde auch der Bau dieser Schiffe viel CO2 ausstoßen.

Auch der Antrieb der Schiffe, die häufig mit Flüssiggas oder Schiffsdiesel fahren, ist nicht klimaneutral, sondern klimaschädlich. Denn einen CO2-neutralen Antrieb für große Schiffe gibt es bisher noch nicht auf dem Markt.

"Wasserstoff greift normalen Stahl an. Dafür ist dann Spezialstahl nötig. Der erste Wasserstoff-Tanker wurde vor einem Jahr in Japan hergestellt, das ist technisch nicht ganz so einfach."
Jürgen Döschner, Energieexperte

Bis dieses Problem also gelöst ist, müssen Alternativen her. Die bestehenden Pipelines sind laut Jürgen Döschner aufgrund der Wasserstoffversprödung bisher auch keine Lösung.

Wasserstoff erstmal nicht das "Öl von Morgen"

Claudia Kemfert, Wirtschaftswissenschaftlerin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hat Wasserstoff einmal als den "Chamapgner der Energiewende" bezeichnet: Man werde ihn brauchen, aber er wird so teuer und so geringfügig vorhanden sein, dass man ihn nur für bestimmte Technologien einsetzen werde.

"Wasserstoff wird so teuer sein und in so geringen Mengen verfügbar sein, dass wir ihn für Technologien oder für Bereiche vorbehalten müssen, wo Alternativen nicht zur Verfügung stehen."
Jürgen Döschner, Energieexperte

Dass wir also unsere Autos in naher Zukunft mit Wasserstoff betreiben, hält Jürgen Döschner für eine "denkbar schlechte Alternative." Man brauche dafür nicht nur große Mengen, sondern würde so den Wasserstoff auch den Bereichen wegnehmen, die nur mit ihm funktionieren können.