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Den Verlust der eigenen Haare erleben auch viele junge Menschen. Haarausfall kann schon nach der Pubertät anfangen und für Betroffene zu einer schweren psychischen Belastung werden. Es gibt aber Therapieansätze.

Kurz oder lang, gefärbt oder natürlich, unter einer Kopfbedeckung oder offen: Haare sind für viele Menschen ein Teil ihrer Identität, mit dem sie sich ausdrücken können. Doch was ist, wenn dieser Teil wegfällt?

Haarausfall ist nicht erst im Alter ein Thema, auch viele junge Menschen sind betroffen. Nach der Pubertät können bei Männern zum Beispiel die Haare immer weiter ausfallen, bis sie eine Glatze haben. Ähnlich kahl wird der Kopf auch bei kreisrundem Haarausfall, der sich in der Zeit um die Pubertät herum oder im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zeigt.

Haarausfall als Autoimmunerkrankung

Kreisrunder Haarausfall oder auch Alopecia Areata genannt, ist eine Autoimmunerkrankung, von der ungefähr zweieinhalb Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind, erklärt Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin.

Die Veranlagung dafür liegt in den Genen, die durch einen Triggerfaktor wie eine Infektion ausgelöst wird. Dadurch greifen Entzündungszellen den Haarfollikel an, sodass der keine Haare mehr bildet. Als Folge fallen die Haare in kreisrunden Flecken aus.

Viele Betroffene ziehen sich dann zurück, sagt Ulrike Blume-Peytavi, aus Scham sich ohne Haare, Wimpern und Augenbrauen zu zeigen. Bei Lisa Haalck war es ähnlich. Als sie zwanzig Jahre alt ist, verliert sie innerhalb von sechs Monaten alle ihre Haare. Als Folge hasst sich Lisa selbst. Ihr Spiegelbild empfindet sie als unerträglich und entwickelt deswegen eine schwere Depression.

"Haarausfall ist keine lebensgefährliche Erkrankung, aber für das psychische Wohlbefinden können Haare eine große Bedeutung haben."
Ulrike Blume-Peytavi, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin

Das Starren der anderen, die Angst vor Ausgrenzung und auch Mobbing sind für viele Betroffene eine psychische Belastung, erklärt die Medizinerin. Der Verlust der Haare sei wie eine Stigmatisierung, eine Veränderung, die einer Bedrohung nahe komme. Lisa zum Beispiel hat ihre Glatze für eine Zeit unter einer Perücke versteckt. Sich ihrer Familie oder engen Freunden ohne Perücke oder Mütze zu zeigen, hat sie sich nicht getraut. Eine Therapie hat ihr geholfen, sich selbst wieder anzunehmen.

Verlust der Haare belastet psychisch

Auch Ulrike Blume-Peytavi hilft Menschen, mit dem Verlust ihrer Haare umzugehen. Neben einer Diagnose, berät sie Betroffene ob und inwiefern eine Behandlung ihnen helfen könnte.

Ist der Haarausfall beispielsweise genetisch bedingt, ist es möglich, den Haarausfall hinauszuzögern, sagt sie. In jedem Fall brauchen Betroffene allerdings Geduld. Der Heilungsprozess kann bis zu einem halben Jahr, manchmal auch länger dauern.

Für sie ist es daher auch entscheidend, dass Menschen, die Haarausfall nicht betrifft, sensibel mit dem Thema umgehen und zum Beispiel aufhören, zu starren, sagt sie.

"Dieses Anstarren in unserer Gesellschaft bei Haarlosigkeit oder teilweisen Haarausfall ist für die Betroffenen ein großes Problem."
Ulrike Blume-Peytavi, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin