Mehr als anderthalb Jahre lang sind Heike und Toshi auf Weltreise gewesen – mit Motorrad, Beiwagen und Rollstuhl. Auf den ist Heike nämlich angewiesen. Das hat sie jedoch nicht davon abgehalten, quer durch die USA, Mittel-, Südamerika und Afrika zu reisen. "A Will and a Way" heißt ihr Blog zur Reise: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg...

"Reisen mit Motorrad und Rollstuhl, wie geht das? Wir probieren es aus und berichten." So steht es auf dem Blog der beiden, auf dem sie von ihrem besonderen Abenteuer erzählen. Wenn sie nicht gerade auf Weltreise geht, ist Heike Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin. Neben dem Reisen beschäftigt sie sich mit Behinderten- und Menschenrechten. Toshi ist Diplom-Psychologe und arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Assistent bei Heike. Daneben tummelt er sich schon fast ebenso lang in der IT-Branche.

Per Motorrad entdeckt sich's besser

Heike und Toshi haben sich gegen andere Verkehrsmittel und für Motorrad und Beiwagen entschieden, weil sie so die Natur und die Menschen viel intensiver und direkter kennenlernen konnten, haben sie uns erzählt.

"Wir haben unsere Geschichte in die Welt gebracht. Mit dem Auto wär das anders gewesen."
Heike, Weltreisende mit Rollstuhl und Motorrad

In New York ging es los, mit dem Motorrad nach Buenos Aires, von dort dann nach Cape Town. Weil sie dem Motorrad nicht mehr zutrauten, es bis nach Hause zu schaffen, haben sich Heike und Toshi dann dort ein Auto gekauft - und es ein bisschen "bereut": Denn das Erlebnis, im Auto zu reisen, sei ein völlig anderes – nicht so schönes und direktes – gewesen, als mit dem Motorrad samt Beiwagen. Als sie damit unterwegs waren, hätten sie das Gefühl gehabt, dass bei den Menschen die Herzen aufgehen, erzählt Toshi.

Skurriles Gefährt

Das Motorrad sei für manche Beobachter in entfernten Gegenden, etwa auf dem afrikanischen Kontinent, "wie ein Ufo" gewesen, sagt Heike. Die Kinder hätten sich nicht erklären können, wer denn jetzt das Motorrad fährt, sie im Beiwagen oder Toshi auf dem Motorrad selbst.

Heike im Rollstuhl bei afrikanischen Ureinwohnern
So ein Rollstuhl hält einiges aus!

Heikes Rollstuhl ist zusammengeklappt und mit einem Halter am Beiwagen befestigt. Der Stuhl ist faltbar, es ist der normale Rollstuhl, den Heike auch im Alltag benutzt. Heike und Toshi haben beim Fahren eine Sprechverbindung, dafür hatten die beiden extra eine Sprechanlage installiert.

Ein weiterer wichtiger Ausrüstungsgegenstand war ein warmer Poncho und beheizbare Klamotten, erzählt Heike. Gerade oben in den Anden sei es doch sehr kalt geworden. Eine gute Isolierung im Beiwagen war da Pflicht.

"Ich hatte so ein Baby-Kinderwagen-Gefühl, schön kuschelig eingemottet."
Heike, Weltreisende mit Rollstuhl und Motorrad

Weniger kuschelig war das Erlebnis, das die beiden in New Jersey hatten. Dort landeten Heike und Toshi in einem ziemlich heruntergekommenen Hotel. Im Zimmer nebenan lebten mindestens zehn Personen. Wenig später stellte sich heraus, dass auch Prostituierte in dem Etablissement ein und ausgingen.

Marihuana? Crack? Heroin? Whiskey?

Und noch mal wenig später "fuhr der Obergangster mit seinem dicken SUV vor", erinnert sich Heike. Er checkte die Lage – und die Nachbarzimmer. Als er feststellte, dass Heike zu der Kategorie "völlig harmlos" gehörte, habe er sie gefragt, ob sie vielleicht Marihuana wolle. "Oder vielleicht Crack? Auch nicht? Aber dann Heroin? Ich besorg dir bestes Heroin... Nein? Dann aber einen Whiskey?"

Heike lehnte dankend ab. Der Abend ging glimpflich zu Ende. Eine Prostituierte kam sogar auf ein Schwätzchen runter und bot an, auf Heike aufzupassen, während Toshi etwas zu essen besorgte.

Wenn ihr mehr darüber hören wollt, was Heike und Toshi erlebt haben, dann hört euch das ganze Gespräch an!