Unterdrückung erzeugt Gewalt - so die These des Konfliktforschers Friedrich Glasl. Ängste und Entfremdung schüren die Gewalt - Steine statt Brot führen zur Radikalisierung.

Von einer friedliebenden Welt ohne Unterdrückung und Hunger träumen viele – schon lange. Der Politikwissenschaftler, Philosoph und Psychologe Friedrich Glasl träumt nicht davon, sondern versucht sich theoretisch dem Ideal zu nähern. In vielen Bürgerkriegen von Sri Lanka bis Nordirland hat er die Gründe für die Auseinandersetzungen analysiert und Verantwortliche beraten, wie sie diese wieder befrieden können.

Wenn die Menschlichkeit verloren geht

Friedrich Glasl genießt als Konfliktforscher in Europa große Reputation. Ein Grund für die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Welt ist seiner Ansicht nach die Unterdrückung von Menschen durch Regierungen. Entscheidend sei, ob es in einem Staat menschlich zugehe oder antihuman, wie er es in seinem Vortrag auf den "Tagen der Utopie" im österreichischen Vorarlberg ausgedrückt hat.  

"Wenn ich sage, ich will Eigenverantwortung, das heißt Verantwortungsfähigkeit, dann kann ich sie doch nicht fremdsteuern, dann kommt ja nie Selbststeuerung raus."
Friedrich Glasl, Konfliktforscher

Der Konfliktforscher bezieht das nicht nur auf diktatorische Regime, sondern auch auf Unternehmen, die er in Konfliktsituationen gecoacht hat. Dabei vermittelt er ein ganzheitliches Menschenbild aus Körper, Geist und Seele, das gehegt und gepflegt werden müsse. Auch in Unternehmen sei der Mensch als Ebenbild zu sehen, nicht als purer Produktionsfaktor. Werde das nicht beachtet, reagiere der Mensch mit Ängsten, die ein gesellschaftlich ausgeglichenes System zerstörten oder unmöglich machten. 

"Haltet an euren Träumen fest, denn wenn die Träume sterben, ist das Leben ein Vogel mit gebrochenen Flügeln, der nicht fliegen kann."
Langston Hughes, Schriftsteller

Um ihre Träume umzusetzen, hätten beispielsweise junge nordirische Männer im Kampf mit der britischen Krone zu Gewehren und Molotowcocktails gegriffen. "Steine statt Brot" hätten ihnen die Umstände auferlegt statt umgekehrt. Wenn der Mensch nicht mehr als Mensch betrachtet werde, sei dessen Anfälligkeit für Gewalt nicht nur wie damals in Nordirland groß, sondern auch heute für den Dschihad.