Wer keine Lust mehr auf Home Office hat, kann für relativ wenig Geld in ein Hotelzimmer umziehen. Für die zur Zeit leeren Hotels ist das eine willkommene Einnahmequelle. Wir haben uns angeschaut, ob und wem das wirklich etwas bringt.

Wer grade viel im Homeoffice sitzt, der merkt, dass einem schnell auch mal die Decke auf den Kopf fallen kann. Es fehlt der kurze Smalltalk an der Kaffeemaschine oder das Lästern über die Kantine. Außerdem werden wir daheim natürlich auch leichter abgelenkt: Die Spülmaschine will ausgeräumt werden, gesaugt werden müsste auch mal wieder – und wir müssen dringend schauen, wie viele Schokoriegel wir noch im Kühlschrank haben (am besten alle 30 Minuten prüfen und nachzählen).

Als Geschäftsreisender im Hotelzimmer

All diese Sorgen und Nöte lassen sich umgehen – indem ihr euer Homeoffice in ein Hotel verlegt. Als Tourist dürft ihr da zwar gerade nicht hin, aber als Geschäftsreisender schon. Und das seid ihr ja, wenn ihr dort arbeitet.

"Zwei Wochen 'Home Office' auf Malle mit Frau und Hund, das klappt nicht."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk Nova

Den Familienurlaub als Home Office zu tarnen, funktioniert zwar nicht, sagt Christian Schmitt von Deutschlandfunk Nova. Es gibt aber Angebote, die tatsächlich helfen können, mal aus den eigenen vier Wänden rauszukommen. Diese zu finden, war in der Corona-Anfangszeit gar nicht so einfach. Denn sehr viele Hotels haben ja gerade geschlossen. Inzwischen gibt es aber Internetseiten, auf der Home-Office-Alternativen in Hotels aufgelistet sind: Homeoffice-im-Hotel.de oder Seatti.co zum Beispiel. Wichtiger Hinweis: Viele Hotels machen das wirklich nur tagsüber, übernachten dürft ihr dort nicht.

Angebot übersteigt noch Nachfrage

Momentan werden die vorhandenen Angebote noch nicht annähernd ausgeschöpft. Die arbeitenden Kunden haben also noch die freie Auswahl. Im Prinzregent-Hotel in München kostet der Working Space von 8 bis 18 Uhr 30 Euro. Regulär, also mit Übernachtung, würden für das Zimmer knapp 150 Euro anfallen. Vor allem Menschen, bei denen Homeoffice zuhause schlecht funktioniert, nutzen das Angebot – wegen Kinder- oder Baustellenlärm zum Beispiel.

"Ein Gast hatte eine Baustelle direkt vor der Haustür. Vor dem Lärm ist er geflüchtet und genießt jetzt die Ruhe, die wir um unser Hotel haben."
Alexandra Radwan, Hoteldirektorin des Prinzregent in München

30 Euro statt sonst 150 – das lohnt sich für das Hotel allerdings überhaupt nicht. Ins Prinzregent kommen momentan pro Tag gerade mal drei Gäste, um das Homeoffice-Angebot zu nutzen. Das deckt natürlich nicht einmal ansatzweise die Kosten.

Die Moral aufrechterhalten

Der Hoteldirektorin geht es momentan aber vor allem darum, die Moral der Beschäftigten aufrechtzuerhalten und irgendwie durchzukommen, bis sich die Situation wieder bessert. In der ersten Zeit hätten sich alle "wirklich sehr leidgetan", gesteht Alexandra Radwan. Irgendwann sei dann klar geworden, dass Schluss sein muss mit Jammern.

"Wir wollten raus aus dem Status der Verzweiflung. Und einfach wieder Dinge anpacken, den Mitarbeitern wieder eine Perspektive geben, das Hotel wieder zum Leben erwecken."
Alexandra Radwan, Hoteldirektorin des Prinzregent in München

Das scheint auch tatsächlich zu wirken: Im Prinzregent dürfen sich gerade die Azubis an der Rezeption ausprobieren. Auch das Housekeeping hat gesicherte Jobs, weil trotz ausbleibender Gäste ziemlich viel desinfiziert werden muss. Und das angeschlossene Restaurant liefert auf Wunsch Lunchboxen an die Zimmertür. Doch bei allem Optimismus: Natürlich läuft der Hotelbetrieb, wie in ganz Deutschland, allerhöchstens auf Sparflamme.

Hotel wird zum Friseursalon

Aktuell weiß noch niemand, wann die Hotels wieder ganz normal aufmachen dürfen. Bis dahin hat Alexandra Radwan eine weitere Idee, um den Betrieb am Laufen zu halten: Ab nächster Woche dürfen die Friseursalons unter Auflagen wieder öffnen – allerdings dürfen sie nicht so viele Kunden in ihre Geschäfte lassen, wie wahrscheinlich bedient werden möchten. Deshalb vermietet das Prinzregent Hotel seine Zimmer ab nächster Woche auch an Friseurinnen und Friseure. Not macht erfinderisch.