Die USA machen uns was vor: Amerika hat die Homoehe landesweit legalisiert. In Berlin hat man dagegen noch Redebedarf. Warum eigentlich?

Die Ehe ist für alle da, sagt der Oberste Gerichtshof der USA. Von einer historischen Entscheidung ist die Rede. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen ab sofort in allen Bundesstaaten der USA heiraten. In Deutschland dagegen, wo die Debatte um die Homoehe ebenfalls schon lang geführt wird, debattiert man weiter. Ganz so weit scheint man noch nicht.

"Die Bürger in Deutschland sind auf jeden Fall schon so weit. Nicht aber die Politik an den entscheidenden Stellen der Macht."
Johannes Kulms, Hauptstadt-Journalist

Zwei Drittel der befragten Bürger haben sich in Deutschland in einer repräsentativen Umfrage für die Gleichstellung der homosexuellen Ehe ausgesprochen, sagt Hauptstadt-Journalist Johannes Kulms. Auch in der Politik ist etwas Bewegung: SPD, Grüne und Linkspartei haben mit einer Resolution den Vorstoß gewagt. Doch dieser wird keine Mehrheit finden. "Bei der Union hat man da mehrheitlich Bauchschmerzen."

Allein auf weiter Flur

Dabei gibt es auch in CDU und CSU Stimmen, die sich für eine gleichgeschlechtliche Ehe starkmachen: Jens Spahn bringt das Thema immer wieder auf die Tagesordnung, besonders nach dem irischen Referendum für die Homo-Ehe im Mai. Auch Parteikollege Peter Tauber tritt für die Homoehe ein und startete auf Facebook eine Umfrage dazu. In der CSU ist es Bernd Fabritius, der mit einem eingetragenen Lebenspartner zusammenlebt und das Thema voranbringen will.

Ob sich Angela Merkel und die große Mehrheit der Konservativen in der Sache bewegen, bleibt abzuwarten. Merkel jedenfalls möchte das Thema, wie es scheint, nicht aktiv angehen. Eigentlich, meint Johannes Kulms, treiben die Gerichte die Politik in dieser Frage vor sich her. "Vielleicht ist das auch Kalkül."

Mehr dazu: