Billige Angebote von Rassetieren, die normalerweise über 1000 Euro kosten – darauf fallen Hundekäufer immer wieder rein. Dabei ist es recht offensichtlich, dass etwas nicht stimmt, wenn die Hundeübergabe auf einem Autobahnrastplatz stattfinden soll.

Der illegale Tierhandel ist laut EU-Parlament der drittgrößte Geschäftszweig der organisierten Kriminalität in Europa. Für einen Laien mag es schwer sein, diese kriminelle "Hundemafia" auf einen Blick zu erkennen. Aber es gibt Hinweise.

Täter sind anonym im Netz unterwegs

Die Täter sind meistens anonym unterwegs und geben sich als Privatpersonen aus, um die Registrierungspflicht für offizielle Verkäufer zu umgehen. Mit ihren anonymen Anzeigen im Netz können sie kaum zurückverfolgt werden, und so ist es nur sehr schwer nachzuvollziehen, woher die Tiere kommen und in welchem Zustand sie sich befinden.

Tierhaltung ist meistens katastrophal

Die Hunde sind meistens in kleinen, dreckigen Zwingern eingesperrt und in einem gesundheitlich schlechten Zustand. Oft fehlen ihnen die wichtigsten Impfungen und eine ordentliche Ernährung.

Während die Muttertiere als Gebärmaschinen angesehen werden, bekommen die Rüden teilweise Hormone gespritzt und Elektroschocks, damit sie immer wieder decken. Sollten sie das irgendwann nicht mehr können, werden sie von den Züchtern getötet.

Hundemafia in Polen
© Vier Pfoten
Aufnahme aus einer polnischen Scheune von der Organisation "Vier Pfoten"

Viele "Spontankäufe"

Immer wieder fallen Menschen auf die dubiosen Angebote herein ohne zu wissen, was ihr Tier davor durchgemacht hat. "Das sind wohl vor allem Spontankäufe", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt. Denn meistens sind die Hunde deutlich billiger, und die Käufer freuen sich über ihr Schnäppchen.

Der Schein trügt aber, denn die Tiere sind meistens schon krank, wenn sie beim Besitzer ankommen, sagt Lisa Hoth vom Deutschen Tierschutzbund. Dann kommen auf den neuen Besitzer hohe Tierarztkosten zu. Von Schnäppchen ist da also keine Rede.

"Durch den Stress des Transportes und dadurch, dass sie nicht geimpft oder entwurmt sind, versterben sie dann recht schnell."
Lisa Hoth, Deutscher Tierschutzbund

Indizien für illegalen Tierhandel

Wer sich gut informiert und vorbereitet, kann einen Kauf bei der Hundemafia umgehen:

  • Die Tierübergabe an einem inoffiziellen Ort wie einem Rastplatz ist immer verdächtig.
  • Offizielle Händler stellen oft Fragen an die neuen Besitzer, um sicherzustellen, dass die Tiere auch gut unterkommen.
  • Eine Traces Bescheinigung zeigt, unter welchen Bedingungen die Tiere transportiert wurden.
  • Vorher beim Verkäufer vorbeischauen und sich über die Haltungsbedingungen informieren. Wer alles richtig macht, hat nichts zu verbergen

Auch bei Hilfsorganisationen, die beispielsweise Hunde aus Osteuropa retten, sollte man aufpassen, sagt Daniela Schneider von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Nicht alle hätten gute Absichten. Einige dieser Organisationen würden Hunde von der Straße fangen oder sogar gesunde Hunde vom Besitzer direkt klauen.

EU-Parlament will härter gegen illegalen Tierhandel vorgehen

Mit einem Aktionsplan will das EU-Parlament jetzt konsequent gegen den Handel vorgehen. Unter anderem soll ein EU-weites, einheitliches Registrierungssystem entstehen, bei dem jedes Tier ab Geburt einen Chip bekommt und somit verfolgt werden kann. Auch die Züchter und Verkäufer sollen in diesem System erfasst werden, erklärt Dlf-Korrespondent Paul Vorreiter in Straßburg.

Paul Vorreiter, Dlf-Korrespondent in Straßburg
"Das Parlament will ein verpflichtendes Register für die Züchter und Verkäufer einführen, wo man dann auch grenzübergreifend sehen kann, ob der Züchter oder Verkäufer zugelassen ist."

Illegalen Händler und Züchter, die erwischt werden, sollen eine hohe Geldstrafe zahlen - so hoch, dass sich der Handel nicht mehr rentiert.