Wir haben vergangene Woche erklärt, welche Wildtiere man wie füttern sollte. Dabei ging es auch um den Igel. Nach viel Feedback von euch, haben wir nochmal genauer nachgefragt, wann man Igel füttern sollte und wann nicht.

Vergangene Woche haben wir darüber gesprochen, wie wir uns gegenüber Wildtieren im Winter verhalten sollten. Unser Facebook- und Instagram-Post mit der Aussage "Igel nicht füttern" hat bei euch viele Reaktionen ausgelöst. Unter anderem wurde geschrieben, dass das "den Tod vieler Igel bedeuten könnte". Das wollen wir natürlich nicht. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs hat deshalb nochmal genau recherchiert, wann wir Igel füttern sollten und wann besser nicht. Das Ergebnis nach Gesprächen mit Igel-Experten: Es kommt darauf an.

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"Füttern nur mit Köpfchen"

Carsten Schiller, Tierarzt und im Vorstand des Vereins Pro Igel, engagiert sich seit Jahrzehnten in der Igelhilfe. Er sagt: Die Entscheidung, ob wir Igel füttern sollten oder nicht, ist nicht ganz einfach. Außerdem gibt es einiges zu beachten, denn nicht jeder Igel muss gefüttert werden. Ein ausgewachsenes, gut genährtes Tier brauche beispielsweise keine Nahrung.

"Füttern nur mit Köpfchen. Nicht jeden Igel füttern. Ein ausgewachsenes, gut genährtes Tier braucht nicht gefüttert zu werden."
Carsten Schiller, Tierarzt und im Vorstand von Pro Igel

Einen Fall gebe es aber, bei dem wir etwas unternehmen sollten: Treffen wir Igel im Herbst oder im Winter tagsüber an, dann könnte es sein, dass sie ein Problem haben. Um das herauszufinden, raten Expertinnen und Experten, den Igel erstmal aus sicherer Entfernung zu beobachten. Wenn er an einem völlig ungeschützten Platz schlapp daliegt und zusätzlich zu dünn ist und zum Gesäß hin etwas rundlicher wird, dann sollte man sich den Igel genauer ansehen.

Experten um Rat fragen

Sollte sich der Eindruck verstärken, dass der Igel wirklich Hilfe braucht, dann sollte man Menschen kontaktieren, die sich mit Igeln auskennen. Ihnen kann man am Telefon beschreiben, wie der Igel aussieht, um dann zu entscheiden, welche weiteren Schritte wie zum Beispiel das Füttern nötig sind.

Dafür könnt ihr beispielsweise die Telefonnummer von Pro Igel wählen. Expertinnen und Experten können dann auch die besten Anlaufstellen in der Nähe empfehlen. Alternativ gibt es auf der Seite auch eine deutschlandweite Karte.

Igel lieben Käfer

Wenn die Expertin dazu rät, dem Igel mit Nahrung zu helfen, sollten wir ihn am besten mit Insekten wie zum Beispiel Käfern füttern. Nur als Notlösung nehmen sie auch mal eine Schnecke oder die Würmer, die sich im Fallobst verkrochen haben.

"Igel essen am liebsten Käfer, Insekten. Nur als Notlösung nehmen sie auch mal eine Schnecke."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch im Handel gibt es Igelfutter, das ist aber häufig vegetarisch und eignet sich daher überhaupt nicht zur Igelfütterung. Es gibt auch Igelfutter zu kaufen, das Fleisch enthält. Bei einer Studie von Pro Igel kam aber heraus, dass es sich dabei um umetikettiertes Katzenfutter handelt. Das ist zwar geeigneter als vegetarisches Futter, sollte aber nur als Erstversorgung verwendet werden. Wirklich nahrhaft ist es für den Igel auf Dauer nicht. Ausführliche Informationen von Pro Igel zur Igelfütterung findet ihr hier.

Futterstellen für Igel bergen Gefahren

Viele Menschen füttern Igel, ohne dass sie die davor beschriebenen Punkte beachtet haben. In diesem Fall ist Füttern tatsächlich ein großes Problem und kann den Tieren schaden. Zum Beispiel, wenn die Futterschalen der Igel immer und immer wieder aufgefüllt werden. Der normale Inhalt eines kleinen Igelmagens ist etwa nur zehn Gramm schwer. Ein Igel, der gefüttert wird, esse oft aus Bequemlichkeit weiter und lege für die Nahrungssuche keine langen Strecken mehr zurück, sagt Carsten Schiller.

"Er ist auch ein Opportunist, was die Nahrungsaufnahme anbelangt. Er mag Süßes und er ist auch bequem und so eine Futterschüssel ist bequemer als sich auf Nahrungssuche über große Stecken zu bewegen."
Carsten Schiller, Tierarzt und im Vorstand von Pro Igel

Für so eine bequeme Futterversorgung können sich dann schnell sehr viele Tiere interessieren. So sehr, dass sie darum kämpfen und sich gegenseitig sogar verletzen können.

Hinzu kommt: Igel in der Natur sind an ihr Einzelgängerdasein gewöhnt. Futterstellen, an denen sich ganz viele Igel auf einmal treffen, können deshalb auch schnell zu Hotspots für die Verbreitung von Parasiten und bakteriellen Erkrankungen werden, sagt Tierarzt Carsten Schilller.