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In mehreren Bundesländern wird die Priorisierung für Corona-Impfungen in Arztpraxen aufgehoben. Berlin gehört auch dazu. Dort hat Malik Böttcher seine Praxis. Schon jetzt ist der Andrang riesig, aber irgendwie muss es funktionieren.

Seit 7 Uhr ist Malik Böttcher schon in seiner Praxis. Es wartete keine Menschenschlange auf ihn, "aber wir spüren im E-Mail-Postfach und am Telefon einen wahnsinnigen Andrang", sagt der Allgemeinmediziner. "Die E-Mails kommen im Sekundentakt rein."

Bislang galt für die Corona-Impfung eine Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe. Diese Reihenfolge soll zumindest in den Arztpraxen wegfallen, wenn auch noch nicht in allen Bundesländern. Bislang wollen Bayern, Brandenburg und Baden-Württemberg mitmachen. Und eben Berlin.

Impfprio entfällt in vielen Praxen

Dort hat Malik Böttcher seine Praxis. Die Nachfrage nach der Corona-Impfung sei seit Wochen riesig. "Das Telefon ist seit drei Wochen nicht mehr funktionstüchtig, weil es durchgehend klingelte", sagt der Arzt. Irgendwann blieb nur noch: ausstöpseln.

Die hunderten E-Mails, die täglich reinkommen, werden im Laufe der Woche abgearbeitet. Zwei studentische Hilfskräfte wurden eingestellt, die Listen erstellen, Termine takten und so weiter. "Wir können jetzt versuchen, das Chaos zu beherrschen. Und das wollen wir auch", sagt Malik Böttcher.

Dass die Impfpriorisierung in den Praxen irgendwann aufgehoben würde, war klar, sagt der Arzt. Aber es wäre gut gewesen, wenn dies in Verbindung mit ausreichend Impfstoff passiert wäre. "Das ist leider nicht der Fall", sagt Malik Böttcher.

"Wenn wir Glück haben, können wir diese Woche 200 Patienten in der Praxis Impfstoff bieten."
Malik Böttcher, Hausarzt in Berlin und Leiter der Corona-Ambulanz Havelhöhe in Berlin-Kladow

In seiner Praxis werden die Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca genutzt. Für letzteren gelten Zulassungsbeschränkungen, die sich je nach Bundesland unterscheiden. Der Impfstoff sollte bislang nicht an Personen unter 60 Jahre gehen, doch je nach Bundesland gibt es Ausnahmen. "Wir haben viele jüngere Menschen, die den Bedarf nach Astrazeneca äußern", sagt Malik Böttcher. "Sie sagen, dass sie unbedingt wollen. Und ihnen sei das Risiko egal." In diesem Fall findet in der Praxis ein umfassendes Gespräch zur Impfung statt.

Freitags werden die Reste verimpft - bis Mitternacht

Trotz Aufhebung der Reihenfolge gibt es in der Praxis von Malik Böttcher noch Patienten und Patientinnen, die vorgezogen werden. Zum Beispiel Personen, die schon älter sind, aber bislang nicht geimpft wurden.

Aber rund 20 Prozent der Impfdosen werden an Menschen gehen, die sich per E-Mail gemeldet und ihre Mobilnummer hinterlassen haben. "Die rufen wir an und versuchen sie einzutakten", sagt der Arzt. Außerdem werden am Freitagabend quasi die Reste verimpft. "Das geht bis Mitternacht", sagt Malik Böttcher. "Da nehmen wir die jungen Menschen, damit die auch eine Chance haben, endlich an Impfstoff zu kommen."

"Wir sind in einer existentiellen Krise. Die Menschen haben Angst um ihr Leben."
Malik Böttcher, Hausarzt in Berlin

Auch in der Praxis von Malik Böttcher haben in den vergangenen Wochen Menschen versucht, die Impfpriorisierung zu umgehen und zu schummeln. "Aber ich nehme das den Menschen nicht übel", sagt der Arzt. Denn Menschen hätten Angst um ihr Leben.