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Im bevölkerungsreichsten Land der Erde gibt es zu wenige Toiletten für Frauen. Eine Initiative will das jetzt ändern.

Es ist die größte demokratische Wahl der Erde: 815 Millionen Menschen wählen zurzeit in Indien ein neues Parlament. Weil das Land so riesig ist, dauert die Wahl Wochen. Die wichtigsten Wahlkampfthemen: Korruption, Sorgen um das Wirtschaftswachstum und die Chancengleichheit. So weit so gewöhnlich für ein Gemeinwesen, das die Weichen für die Zukunft stellt. Und dann sind da noch Probleme, die es so nur in Indien gibt.

Ein Thema, das die indischen Frauen umtreibt: Das "Right to pee" – das Recht zu pinkeln, erzählt unser Korrespondent Jürgen Webermann. Gegründet wurde die Initiative in Mumbai. 20 Millionen Einwohner hat diese Megacity – und 150 öffentliche Toiletten für Frauen und 2849 für Männer. Weibliche Inderinnen haben also kaum eine Chance, eine öffentliche Toilette aufzusuchen.

20 Millionen Einwohner - 150 Toiletten für Frauen

Noch schwieriger ist die Situation auf dem Land. Dort warten Frauen aus Scham teilweise bis zum Sonnenuntergang, um ihre Notdurft zu verrichten. Dann erleichtern sie sich auf den Feldern. Ein Grund, weshalb viele Inderinnen bimmelnde Fußkettchen tragen – kein Schmuck, sondern ein Mittel, um Giftschlangen zu vertreiben.

"Die fehlenden Toiletten sind ein existentielles Problem."
Jürgen Webermann, Korrespondent in Neu Delhi

Weil viele Frauen extrem wenig trinken, um bis zum Abend durchzuhalten, drohen sie außerdem im Sommer zu dehydrieren. Eine Bürgermeisterin im Wüstenstaat Rajasthan veranstaltet deshalb Fundraising-Dinner, um für Toiletten zu sammeln.