In der Pandemie spielt sich unser Leben mehr denn je online ab. Das ist die Stunde der Blogger, Youtuber und Influencer, könnte man meinen. Doch es gibt Gewinner und auch Verlierer.

Manche Influencer haben durch Corona regelrecht Aufwind bekommen. Jasmin Jess zum Beispiel betreibt zusammen mit ihrer Schwester Josephine "Prana Up Your Life", ein Programm für ganzheitliche Ernährung, Yoga und Meditation. Für ihre Coachings nutzen sie eine ganze Palette von Online-Tools, unter anderem Youtube, Facebook und Instagram, aber auch Blogeinträge und einen eigenen Podcast.

"Von Februar zu März hatten wir einen 400-prozentigen Anstieg der Podcast-Downloads pro Folge. Auch die Verkäufe unserer Online-Kurse sind gestiegen."
Jasmin Jess von "Prana Up Your Life"

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie bemerken die beiden ein extrem gesteigertes Interesse an ihren Inhalten.

Themen, die zur Ausnahmesituation passen

Und nicht nur sie: Zulauf verzeichnen vor allem diejenigen Influencerinnen und Influencer, deren Themen zur aktuellen Ausnahmesituation passen, beziehungsweise die ihren Followern dabei helfen wollen, das Beste aus dieser Situation zu machen oder sie sogar sinnvoll zu nutzen:

  • Foodies, die ihre Rezepte teilen
  • DIY-Ratgeber für Garten oder Balkon
  • Lifehacks aller Art
  • Sport-Influencer, die gemeinsam mit ihren Followern trainieren

Harte Zeiten für Reise-Influencer

Doch wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Vor allem Reise-Blogger haben in der Coronazeit massive Probleme, weiß Lemia Al-Barazanchi, PR-Beraterin bei der Hamburger Agentur Lauffeuer und Spezialistin für Influencer-Marketing. Der Grund liegt auf der Hand: Ihr Geschäftsmodell ist komplett zusammengebrochen.

"Reisen ist natürlich aufgrund der aktuellen Situation und auch in absehbarer Zeit nur sehr eingeschränkt möglich."
Lemia Al-Barazanchi, PR-Beraterin

Auch Fashion-Influencer sind stark betroffen. Weil gerade ganze Kollektionen wegbrechen, finden auf unbestimmte Zeit erst mal keine Events in diesem Bereich statt. Das wiederum bedeutet, dass die Influencer nicht ausgestattet werden und ihnen keine Markenkooperationen angeboten werden.

Influencer müssen umdenken

Viele betroffene Influencer sind gerade dabei, notgedrungen ihre Inhalte anzupassen, um weiterhin Content zu liefern und durch Kooperationsdeals Geld zu verdienen. In Zeiten von Kurzarbeit und einer schlechten wirtschaftlichen Gesamtsituation ist das allerdings nicht einfach. Denn die Zielgruppe hat gerade weniger Geld zur Verfügung – und das wissen auch die potenziellen Werbekunden.

"Die Deutsche Werbewirtschaft rechnet für April mit einem Rückgang der Werbegelder - über alle Medien hinweg - von bis zu 40 Prozent."
Lemia Al-Barazanchi, PR-Beraterin

Im Vergleich haben Influencer hier aber einen Vorteil: Anders als klassische Werbefirmen, deren Spots viel zeitlichen Vorlauf brauchen, können sie sehr schnell Werbeinhalte produzieren. Sie können flexibel auf neue Marktsituationen reagieren und ihre Inhalte innerhalb kürzester Zeit anpassen.

Aus diesem Grund verlieren viele Werbeunternehmen gerade auch Budgets zugunsten von Influencern, sagt Lemia Al-Barazanchi. In der aktuellen Situation würden sich die Rahmenbedingungen ständig ändern. Alle fahren auf Sicht. Da setze man gerne auf Kurzfristigkeit und Flexibilität – und genau das sei natürlich ein riesengroßer Vorteil von Influencer-Marketing gegenüber klassischen Medien.

Investition für die Zeit nach Corona

Auch die Yoga-Influencerin Jasmin Jess hat ihr gesamtes Programm an die neue Situation angepasst, sagt sie. Damit das Bedürfnis nach Orientierung, Entspannung und Gesundheit nicht am zu knappen Budget scheitert, kommt sie ihren Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen momentan entgegen.

"Für jeden verkauften Platz verschenken wir einen Platz an diejenigen, die es jetzt besonders brauchen, Routinen aufzubauen und nicht die Mittel haben, in sich selbst zu investieren."
Jasmin Jess von "Prana Up Your Life"

Eine auch nicht ganz uneigennützige Solidaritätsaktion, die sich langfristig möglicherweise auszahlen wird.