Der Messenger Telegram wird zunehmend populär. Offenbar hat er einen guten Ruf, so die Einschätzung unseres Reporters, weil viele denken, dass Telegram besonders sicher sei. Ein Irrglaube. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die ebenfalls aufzeigt, dass Telegram ein Sammelbecken für Verschwörungs-Anhänger und Menschen mit rechtem Gedankengut ist.

TV-Koch Attila Hildmann nutzt Telegram, um Verschwörungsmythen zu verbreiten, und der Sänger Michael Wendler teilt seinen Fans mit, dass sie Telegram installieren sollten, weil es der einzige Kanal sei, auf dem noch unzensiert Informationen ausgetauscht werden könnten.

Dabei zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass sich der Instant-Messenger-Dienst Telegram zu einem Sammelbecken für Holocaust-Leugner, Anhänger von Verschwörungsmythen und Menschen mit rechtem Gedankengut entwickelt hat.

Der von der Landesanstalt für Medien NRW veröffentlichte Text stellt fest, dass der Messenger eher zur Desinformation der Nutzer diene.

"Die Chats sind solange unverschlüsselt, bis man ein Feature in Telegram aktiviert. Und das ist genau so ein Feature, das Telegram nicht standardmäßig an hat und in Gruppen Kommunikation so oder so gar nicht unterstützt."
Roland Schilling, Sicherheitsforscher und Hacker

Laut Telegram hat der Instant-Messenger rund 400 Millionen aktive Nutzer pro Monat und damit doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Im Vergleich ist das rund ein Fünftel der Nutzerinnen und Nutzer, die WhatsApp nutzen.

"Wenn es um die Sicherheit von Kommunikationsinhalten geht, ist Telegram auf jeden Fall keine gute Wahl. Das kann man ziemlich deutlich sagen."
Roland Schilling, Sicherheitsforscher und Hacker

Dass die Nutzerzahlen so stark gestiegen sind, hängt wahrscheinlich mit dem guten Ruf des Dienstes zusammen, schätzt unser Reporter Christoph Sterz. Viele Userinnen und User betrachten den Dienst anscheinend als sicher, obwohl die Daten nicht standardmäßig verschlüsselt sind.

Spezielle Features, die andere Dienste nicht anbieten

Außerdem bietet der Instant-Messenger Features an, die es bei anderen Messenger-Diensten nicht gibt: zum Beispiel Sticker, die nicht nur Smileys und Emoticons zeigen, sondern einen lachenden oder weinenden Wladimir Putin, Donald Trump oder das Krümel-Monster.

Ein weiteres, beliebtes Feature: Große Kanäle, bei denen sich Nutzer anmelden können, um Benachrichtigungen von Prominenten, der Tagesschau oder beispielsweise Jan Böhmenmann erhalten können. Bei anderen Messenger-Diensten gibt es diese Funktion nicht. So erreicht Attila Hildmann über 100.000 Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig.

"Telegram bietet viele Features, die es sehr schön nutzbar machen, genau für diesen Anwendungsfall von Attila Hildmann, einfach eigene Inhalte an eine Zielgruppe zu transportieren."
Roland Schilling, Sicherheitsforscher und Hacker

Dass wohl auch fragwürdige und illegale Dinge auf Telegram stattfinden, hat die aktuelle Untersuchung der Landesanstalt für Medien NRW auch gezeigt: Dazu gehören unter anderem illegaler Waffen- und Drogenhandel und die Verbreitung von Falschmeldungen.

Youtube, Twitter und Facebook arbeiten inzwischen mit externen Personen zusammen, die Fakten checken, um falsche Nachrichten und Hassbotschaften zu löschen. Telegram mache das nicht, so unser Reporter Christoph Sterz – und das sei anziehend für Menschen, die Verschwörungsmythen verbreiten.