Wie Integration von Flüchtlingen gut gelingen kann, zeigt das Mentorenprogramm Flow in Lübeck. Einziges Problem: ungeklärte Asylverfahren.

Herzstück des Projekts ist ein Mentor oder eine Mentorin, die einen Mentee, einen Flüchtling, begleitet. Ähnliche Programme arbeiten mit Patenschaften oder Tandems. Das größte Problem von Mentor und Mentee ist aber nicht die Sprache, sondern ungeklärte Asylverfahren, erklärt Maryam Gardisi.

"Flow ist ein Modellprojekt, mit dem wir versuchen, die Lebenssituation von jungen Flüchtlingen zu verbessern."
Maryam Gardisi, Leiterin Flow

Die Organisation und die Mentoren bemühen sich darum, die Flüchtlinge zu integrieren, ihnen Ausbildungsplätze oder Deutschkurse zu vermitteln, sagt die Leiterin von Flow. Doch jederzeit könne es passieren, dass einer der Mentees einen Ablehnungsbescheid erhalte und abgeschoben werde. "Das ist sehr widersprüchlich," bedauert Maryam die Situation.

Aus Tandems werden Freundschaften

Seit der begeisterten Welle der Willkommenskultur habe der Andrang an freiwilligen Helfern oder ehrenamtlichen Mentoren abgenommen. Sie habe zum ersten Mal seit das Programm August 2015 an den Start ging, einen Aufruf für ehrenamtliche Mentoren veröffentlicht, erzählt Maryam. "Ich war sehr überrascht. Von fast hundert Menschen überrannt zu werden. Es war sehr schön. Jede Berufsgruppe, jedes Alter war vertreten", beschreibt sie die Resonanz auf ihren Aufruf. Inzwischen gibt es rund 35 dieser Tandems aus Mentoren und Mentees.

"Die Menschen sind in einer sehr labilen Situation, sie haben keine Perspektive, sie sind oft isoliert. Sie haben vielleicht auch Erfahrungen gemacht, wodurch die Gefahr dann groß ist, sich betäuben zu wollen."
Maryam Gardisi, Leiterin Flow

Zum Mentorenprogramm gehören auch Therapeuten und Drogenberater, die professionell auf die Probleme einwirken können, die durch Trauma oder Depressionen bei den Flüchtlingen entstehen können. Ob sich ein Flüchtling am Scheideweg zum Drogenmissbrauch befindet, kann Maryam und ihr Team inzwischen aus ihrer Erfahrung heraus erkennen. Sie können dann frühzeitig den Menschen unterstützen.

"Wir haben bislang nur positive Erfahrungen gemacht, weil wir sehen, wie sich zwei Menschen bereichern."
Maryam Gardisi, Leiterin Flow

Für die Ehrenamtlichen, sagt Maryam, sei es schön, jemanden zu fördern. Damit Integration aber wirklich gut gelinge, müssten die Flüchtlinge auch tatsächlich daran beteiligt werden, indem sie ihre eigenen Ressourcen auch zeigen können.

Das Tandem Ahmad und Stefan:

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