Am Anfang war die Hoffnung groß: Das Internet führe zu mehr Demokratie. Doch nach dem gescheiterten arabischen Frühling und der NSA-Affäre sehen Fachleute die Entwicklung skeptischer. Was nun? Führen die verfügbaren Informationen im Netz zu mündigen Bürgern oder haben die Regierungen mehr Daten zur Verfügung, um die Menschen nur noch besser zu kontrollieren?

Um diese Kernfragen dreht sich die Diskussion "Internet und Demokratie. Mehr und bessere Partizipation durch Neue Medien?" der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften in München. Die Professorin Claudia Eckert vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit weist auf die Gefahren hin, die durch das Internet entstanden sind. Sie vertritt die Ansicht, wer die Daten beherrsche, beherrsche auch unsere Köpfe. Deshalb müssten wir alle sehr kritikfähig bleiben. Ihrer Erfahrung nach denken jedoch nicht wenige aus der jungen Generation: Was im Netz nicht zu finden sei, existiere folglich auch gar nicht.

"Das hab ich bei meinen eigenen Studenten schon erlebt, als ich gesagt habe: "Ja, recherchieren Sie doch mal in dem und dem Punkt!" Und dann kamen sie zurück und sagten "Hab ich nix im Internet gefunden." Hab ich gesagt: "Warst Du mal in der Bibliothek?"
Claudia Eckert, Fraunhofer Institut

Wilfried Holfelder ist Leiter des Google-Entwicklungszentrums in München und erklärt die Unternehmensziele des Weltkonzerns: Informationen für alle zu sammeln und verfügbar zu machen. Er zeigt auf, wie fragil das Internet ist, auch wenn wir es im Alltag als feste Größe ansehen.

"Wenn eine Regierung nicht will, dass eine gewisse Website irgendwelche Informationen veröffentlicht, dann können diese Server technisch einfach in die Knie gezwungen werden. Ich schicke denen ganz viele Anfragen, bis die Server abstürzen und dann ist Ruhe."
Dr. Wilfried Holfelder, Google

Dass durch Smartphone und Tastatur politische Willensbildung und -äußerung befördert wird, bestreitet keiner der Diskussionsteilnehmer. Online-Petitionen liegen zwar im Trend, doch: Ob es soweit kommt, dass man sein Kreuz für die nächste Bundestagswahl am heimischen PC machen kann oder sogar muss, diese Frage wollte niemand der Gesprächspartner bejahen. Zu ihnen zählen auch Michael Decker, stellvertretender Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe sowie Johannes Hintersberger, Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium. Die Moderation der Veranstaltung am 2.7.2014 hat Alexandra Borchardt von der Süddeutschen Zeitung übernommen.