Wenn wir bislang unsere Geräte selbst reparieren wollten, war das mit Originalteilen kaum möglich. Doch künftig will Apple Original-Ersatzteile und Reparaturanleitungen zur Verfügung stellen. Was es mit diesem Sinneswandel auf sich hat.

Wer ein Smartphone hat, der weiß, wie schnell ein Display zersplittern oder ein Akku nicht mehr richtig laden kann. Für diejenigen unter uns mit Apple-Geräten waren solche Schäden bislang ein Problem. Denn das Unternehmen weigerte sich freie Werkstätten mit Originalteilen zu beliefern, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat. Manchmal habe Apple freie Reparaturwerkstätten sogar juristisch verfolgt.

"Apple argumentierte immer, die Qualität gewährleisten zu wollen. Kritiker aber haben immer schon gesagt, dass dieses Argument eigentlich Bullshit ist."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat

In Wirklichkeit habe der Hersteller versucht, von den Defekten ökonomisch zu profitieren und eine Motivation zu schaffen, lieber ein neues Gerät zu kaufen, so Gessat. Doch nun der Sinneswandel: Am Mittwoch (17.11.2021) kündigte das Unternehmen nun für den Jahresbeginn 2022 die "Self-Service-Reparatur" an. Zunächst soll das Angebot für die iPhones 12 und 13, später auch für Mac-Computer mit M1-Chip verfügbar sein.

In der EU ist Apple nicht zur Selbstreparatur verpflichtet

Dass die amerikanische Firma nun diesen Schritt geht, hat wahrscheinlich weniger Nachhaltigkeits-, als rechtliche Gründe, vermutet der Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter. In Deutschland ist Apple rein rechtlich bislang nicht zur Reparatur verpflichtet.

In der EU gelten seit März 2021 zwar verbindliche Regeln, die Herstellern vorschreiben, dass sie Ersatzteile vorhalten, Reparaturinformationen mitliefern und ihre Produkte generell so gestalten müssen, dass sie "mit herkömmlichen Werkzeugen zerstörungsfrei auseinander gebaut werden können." Allerdings gilt das nur für Kühlschränke, Spülmaschinen, Fernseher und ähnliche Geräte und nicht für Smartphones.

Angebot ist mehr Schein als Sein

Anders sieht das in Amerika aus. "In den USA werden gerade entsprechende Gesetze vorbereitet oder sind sogar schon verabschiedet worden", sagt Gessat. "Insofern ist die jetzt vorgestellte 'Self-Service-Reparatur' eine Reaktion von Apple. Damit gibt der Konzern diesem Druck nach."

"Das Angebot ist bisher noch überwiegend symbolisch."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat

Bislang hat Apple noch keine Preise für die Ersatzteile bekannt gegeben. Gessat vermutet aber, dass die in etwa so viel Kosten werden, wie Kund*innen bislang für eine nicht-zertifizierte Reparatur bezahlt haben. Zudem glaubt der Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter, dass das Angebot eher nur von technisch versierten Menschen nutzbar sein wird. Denn er findet, dass die Reparatur eines iPhones oder Macs nicht nur kompliziert aussieht, sondern es auch ist.