Im Iran ist ausgerechnet Rugby bei Frauen extrem beliebt. Fast jeder dritte Rugbyspieler dort ist eine Frau. Unsere Reporterin war bei einem Spiel um herauszufinden, wie Rugby und die sehr strengen Regeln für Frauen im Iran zusammenpassen.

Es ist ein Freundschaftsturnier der U22 Nationalmannschaft in Berlin das statt findet. Der Iran spielt gegen Deutschland. Alle Spielerinnen tragen auf dem Platz lange Hosen und langärmlige Trikots. Kein Wunder, es ist Winter. Das einzige, was auffällt: Die Iranerinnen spielen mit Kopftuch, die Deutschen ohne.

Das Team: Spielerinnen, Trainerin und eine Sittenwächterin

Zur Mannschaft gehört Stürmerin Asma Babajani mit der Nummer zehn. Sie ist zierlich, trainiert an drei Tagen in der Woche und spielt entschlossen. Neben den Mädels auf dem Platz ist auch die Cheftrainerin des Teams da, Nazanin Hoseini. Und auch eine Sittenwächterin des Sportministeriums ist aus dem Iran mitgereist. Sie beobachtet das Spiel in wallendem Tschador vom Rand aus.

Im Iran ist Rugby bei Frauen sehr beliebt, viel beliebter als in Deutschland. Fast jeder dritte Rugbyspieler dort ist eine Frau. Schon 2.000 Spielerinnen gibt es und das, obwohl es dort mit Frauen-Rugby erst vor zehn Jahren losging. Und die Iranerinnen werden im Sport generell immer erfolgreicher. Bei Olympia in Rio gab es Bronze in Taekwondo.

Asma Babajani und die Mannschaft beim Spiel
© DRadio Wissen | Angelika Fey
Asma Babajani und die Mannschaft beim Spiel

Rugby: Weltoffen und im Vollkontakt mit der Mannschaft

Der Sportjournalist Farid Ashrafian ist Deutscher mit iranischen Wurzeln. Er weiß, dass es im Iran kaum Geld für den Frauensport gibt. Frauen-Wettkämpfe werden nicht im Fernsehen übertragen. Und Iranerinnen dürfen nicht ins Stadion, um sich Fußball-Spiele der Männer anzuschauen, weil die Frauen die Spieler nicht in kurzen Hosen sehen sollen. Die Begeisterung für Rugby wird nach Farid Ashrafian durch die westlichen Ausstrahlung des Rugby geweckt. Und genau dieser Aspekt zieht die in der Regel liberalen Frauen des Iran an.

"Sicherlich hat dieses Exotische, dieses Westliche eine gewisse Anziehung, eine gewisse Ausstrahlungskraft auf die in der Regel sehr weltoffen und liberal eingestellten iranischen Frauen."
Sportjournalist Farid Ashrafian

Reporterin Angelika Fey möchte wissen, ob nicht genau diese Weltoffenheit zum Problem wird. Sie fragt die Kapitänin des Teams. Asma sieht keine Probleme und wirkt dabei allerdings sehr kontrolliert.

"Nein, es gibt keine Probleme. Im Iran unterstützen uns alle."
Asma Babajani, Kaptänin der iranischen U22 Frauen-Rugby-Nationalmannschaft

Die Trainerin des U22-Teams Nazanin Hoseini sagt, die Frauen mögen grundsätzlich Sportarten mit Vollkontakt. Und die Begeisterung dafür beschränkt sich nicht nur auf Rugby alleine.

"Iranerinnen mögen Rugby oder die anderen Sportarten, in denen es um Vollkontakt geht. So wie etwa auch Taekwondo oder Karate. Wir finden solche Sportarten super."
Nazanin Hoseini, die Cheftrainerin des Teams

Mit oder ohne Kopftuch - es geht um Begeisterung

Stürmerin Asma mit der Nummer zehn auf dem Trikot strahlt verdreckt am Ende des Spiels und sagt:

"Was zählt ist doch die Liebe zum Spiel. Wenn man Rugby liebt, dann ist es doch egal, ob man mit Kopftuch spielt oder ohne."
Asma nach dem Spiel

Asma ist als Sportlerin beeindruckend. Aber auch, weil sie so pragmatisch ist. Sie lässt sich einfach nicht unterkriegen.