Ab 1. Mai sollte eine Isolation bei einer Coronainfektion freiwillig sein, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Der Vorschlag kam von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Es gab heftige Kritik und der Minister ruderte zurück. Die Gesundheitsämter bleiben überlastet.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wollte bei der Isolation von Coronainfizierten auf Freiwilligkeit setzen. Doch die Kritik daran war erheblich und kam aus unterschiedlichen Ecken. Gestern (5. April) machte der Minister dann eine Kehrtwende.

In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" kündigte er an, dass es keine freiwillige Isolation geben soll. Karl Lauterbach sagte: "Das Signal, das davon ausgeht, dass jemand, der isoliert ist, das dann selbst entscheidet, ob er zu Hause bleibt oder nicht – das ist so negativ, so verheerend, dass man an diesem Punkt eine Veränderung machen muss." Das heißt, die Isolationspflicht bleibt.

Bislang galt Karl Lauterbach als Warner

"Das große Problem für Karl Lauterbach war am Ende die eigene Glaubwürdigkeit", sagt Jörg Münchenberg aus dem Dlf-Hauptstadtstudio.

Seit Wochen und Monaten warnte der Gesundheitsminister davor, die Coronapandemie zu unterschätzen. "Er gilt als Warner in der Regierung", sagt Jörg Münchenberg. Dass ausgerechnet von ihm der Vorschlag einer freiwilligen Isolation kam, war schwer nachvollziehbar. Außerdem waren viele vor allem arbeitsrechtliche Fragen nicht geklärt.

"Mit dem Vorschlag hatte Karl Lauterbach ein massives Glaubwürdigkeitsproblem."
Jörg Münchenberg, Dlf-Hauptstadtstudio

Es geht aber nicht allein um seine Glaubwürdigkeit, sondern auch um das Signal, das von solch einer Entscheidung ausgehen würde. Nämlich, dass das Coronavirus nicht mehr gefährlich und die Pandemie überstanden sei, so Jörg Münchenberg.

Nach der Kehrtwende meldete sich Karl Lauterbach auf Twitter zu Wort. In einem Posting übernahm er die Verantwortung für den missglückten Vorschlag. Die FDP habe keine Schuld.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Wie weiter mit den Gesundheitsämtern?

Der Vorschlag ist also vom Tisch. Aber die Frage bleibt: Wie sollen die Gesundheitsämter entlastet werden? Konkrete Lösungen sind bislang nicht bekannt.

"Die Gesundheitsämter sind überlastet angesichts der hohen Infektionszahlen. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern."
Jörg Münchenberg, Dlf-Hauptstadtstudio

Damit bleiben die Gesundheitsämter die große Schwachstelle, so Jörg Münchenberg. "Das bleibt die offene Flanke der Regierung."