Die Isolationspflicht soll bald in ganz Deutschland auf fünf Tage verkürzt werden. Unabhängig von der Dauer der Isolation sollten wir eigenverantwortlich handeln und zu Hause bleiben, wenn wir krank sind, findet Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Ist der PCR-Test positiv und damit eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt, beginnt die Isolationszeit. Wie lange sich Covid-19-Infizierte von gesunden Personen isolieren müssen, haben die Bundesländer zuletzt unterschiedlich geregelt.

Jetzt möchten die Gesundheitsminister*innen des Bundes und der Länder die Isolationspflicht einheitlich regeln: Nachweislich positiv Getestete sollen sich fünf Tage isolieren.

Nach Kritik zur freiwilligen Quarantäne

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte Anfang April 2022 angekündigt, dass ab dem 1. Mai jede infizierte Person sich freiwillig in Quarantäne begibt. Das sollte besonders die Gesundheitsämter entlasten, die bei den hohen Fallzahlen mit der Anordnung und Kontrolle der verpflichtenden Isolation völlig überlastet seien.

Nach starker Kritik hat der Bundesgesundheitsminister seinen Vorschlag als Fehler bezeichnet und ihn zurückgezogen. Der neue Plan also: fünf Tage Isolationspflicht.

Rücksicht und Eigenverantwortung

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit findet diesen Schritt nachvollziehbar. Unabhängig von der Dauer der Isolationspflicht "bringt eine Regelung, die man nicht kontrollieren und nicht umsetzen kann, wenig", sagt er. Bei hohen Fallzahlen sei es entscheidend, eigenverantwortlich und rücksichtsvoll zu handeln. Das bedeutet: Ist jemand krank, sollte die Person zu Hause bleiben, sagt der Virologe.

"Am Ende ist wichtig: Wenn man krank ist, bleibt man zu Hause und geht nicht zur Arbeit."
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Bei dem aktuellen Infektionsgeschehen ist es entscheidend, dass die
Gesundheitsämter für sensible Bereiche wie Krankenhäuser und Altenheime
ausreichend Kapazitäten haben, um diese besonders zu schützen.

"Die Gesundheitsämter kommen so oder so nicht mehr hinterher. Die Isolierung durchzusetzen, ist ein unheimlicher Aufwand. Insofern müssen wir hier sozusagen eine Lösung finden, die die nächsten Jahre nachhaltig trägt."
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Damit das funktioniert, braucht es eben mehr Eigenverantwortung von allen. Dass wir zu Hause bleiben, wenn wir krank sind, sollte grundsätzlich eine Selbstverständlichkeit sein – egal ob es sich um eine Corona- oder Grippeinfektion handele. "Das ist in der Vergangenheit leider oftmals anders gemacht worden. Da wurde man vielleicht sogar vom Arbeitgeber noch gelobt, wenn man krank zur Arbeit gekommen ist."

Sensibler Umgang nach der Pandemie

Er hofft auf ein Umdenken hin zu mehr gegenseitiger Rücksicht, ausgelöst durch die Pandemie. Das kann zum Beispiel das selbstverständliche Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sein, wenn man sich krank fühlt und draußen unterwegs ist, wie es in einigen asiatischen Ländern üblich ist. Das sollte auch ohne eine offizielle Anordnung – die in der breiten Masse kaum kontrollierbar ist – machbar sein, sagt er.