J.K. Rowling hat sich in einen Tweet über Transmenschen lustig gemacht, in dem die Formulierung "Menschen, die menstruieren" verwendet wird. Es folgte ein Shitstorm. Die Kulturwissenschaftlerin und Feministin Mithu Sanyal kritisiert die Äußerung als unreflektiert.

Die britische Autorin J.K. Rowling ist mit ihren Harry-Potter-Romanen berühmt geworden. Daniel Radcliffe und Emma Watson spielen die Hauptrollen in den Harry-Potter-Verfilmungen - und haben sich jetzt aber von Rowling distanziert. Die beiden Schauspieler drücken so ihre Solidarität mit Transmenschen aus, die sie durch die Tweets der Autorin angegriffen sehen.

Am 6. Juni hatte Joanne K. Rowling den Artikel einer Entwicklungshilfe-Organisation auf Twitter geteilt, in dem die Organisation über das Thema Menstruation aufklären will - unter der Überschrift "Eine gerechtere Welt erschaffen nach COVID-19 für Menschen die menstruieren".

Joanne K. Rowling hat ihren Tweet folgendermaßen kommentiert: "People who menstruate - I’m sure there used to be a word for those people. Help me out." Und dann albert sie herum mit Begriffen, die so ähnlich klingen wie Women – also Frauen.

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Rowling ist für diesen Tweet sehr schnell kritisiert worden. Ihr wird vorgeworfen, dass sie Transmenschen verhöhnt und ausschließen will.

Nicht nur Frauen menstruieren

Was viele vielleicht nicht wissen: Auch einige Transmänner, die biologisch weiblich geboren worden sind, bekommen ihre Tage. Zum Beispiel, wenn sie keine Hormone nehmen. Andere wiederum haben ihre Regel, obwohl sie Testosteron einnehmen.

Schon länger gibt es eine Diskussion darüber, dass es eigentlich unlogisch ist, Frauen damit gleichzusetzen, dass sie ihre Periode haben. Das sagt auch die Kulturwissenschaftlerin und Feministin Mithu Sanyal: "Wir wissen inzwischen: Nicht nur Frauen menstruieren, und deshalb ist es richtig zu sagen, ich beziehe mich jetzt auf Menschen die menstruieren." Nicht alle Frauen menstruieren, Frauen menstruieren auch nicht ihr ganzes Leben lang. "Also es ist in dem Fall eigentlich die richtigere und zutreffendere Bezeichnung", sagt Mithu Sanyal.

J.K. Rowling hingegen interpretiert die Kritik an ihrem Tweet als Aggression der Transgender-Community und antwortete: "Wenn das Geschlecht nicht real ist, wird die gelebte Realität von Frauen weltweit gelöscht". Sie sorge sich demnach darum, dass es Frauen und Frauenrechten schade, wenn die Sprache das Geschlecht vermeintlich verwischt.

J.K. Rowling ist schon früher mit transphoben Diskussionen aufgefallen

Es ist nicht das erste Mal, dass J.K. Rowling mit der Transgender-Community aneinandergerät. Zum Beispiel hatte sie 2019 Maya Forstater unterstützt, eine Steuerexpertin, die sich mehrfach in der Vergangenheit transphob geäußert hatte und daraufhin von ihrem Arbeitgeber gekündigt worden war.

"Was sie nicht merkt ist, dass die Art, wie sie spricht, in sich ein gewaltsamer Sprechakt ist."
Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Feministin

Mithu Sanyal verfolgt diese Debatte und die Äußerungen von J.K. Rowling schon länger: "Sie sagt ja immer auch explizit: 'Ich bin für Trans-Rechte. Ich bin auch gegen Gewalt gegen Transmenschen.'"

Was sie nicht merke sei, dass die Art, wie sie spreche, extrem urteilend sei. "Also, dass sie sagt: 'Jaja, ihr dürft alle Rechte haben, aber ihr dürft keine Frauen sein, liebe Transfrauen'", sagt Mithu Sanyal. Sie bezeichnet Rowlings Äußerungen als einen "gewaltsamen Sprechakt". Denn im Prinzip würde die Autorin zu verstehen geben: "Ich sage dir, wer du bist und wer du sein darfst. Und ich weiß besser, wer du bist als du", fasst Mithu Sanyal zusammen.

Deshalb wird Joanne Rowling auch vorgeworfen, sie sei ein Terf, eine radikale Feministin, die Transmenschen ausschließt. Jetzt hat Rowling noch einen Essay auf ihre Homepage gestellt, in dem sie sich dazu äußert. Sie beschreibt außerdem, dass sie selbst Gewalterfahrungen durch ihren früheren Ehemann gemacht habe und dadurch traumatisiert sei. Und auch darauf gibt es schon wieder Reaktionen - die Debatte wird mit Sicherheit noch eine Weile andauern.