In Japan lässt man es nicht krachen an Silvester. Die Japaner gehen eher ruhig ins neue Jahr. Zuvor macht aber die ganze Familie gemeinsam den Hausputz.

Nils Takakura wird Silvester in der Familie seiner Frau in Kyoto verbringen, die den Jahresausklang noch sehr traditionell begeht. Dazu gehört, dass erst einmal das ganze Haus durchgeputzt wird, und alles Schlechte quasi reingewaschen wird, so "dass man ganz unbefleckt in das neue Jahr gehen kann". Eine Familienaufgabe. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Nils einen Putzlappen in die Hand gedrückt bekommt, ist dementsprechend hoch. Nach dem Putzen wird das Neujahrsessen für den nächsten Tag vorbereitet.

"In japanischen Familien ist es üblich, dass man an Silvester erst einmal das ganze Haus durchputzt."
​Nils Takakura

Abends isst die Familie gemeinsam ein spezielles Gericht, das ist eine Nudelsuppe mit einem speziellen Namen, auf Deutsch so ähnlich wie "Buchweizennudelsuppe, mit der man von einem Jahr ins andere geht". Das Besondere an der Suppe: Die Nudeln sind lang und dünn. Die Länge der Nudeln steht für ein langes Leben und Glück durchs ganze kommende Jahr.

Feuerwerk um null Uhr gibt es in Japan nicht. Es ist ganz ruhig und gemächlich. Kurz vor Mitternacht geht man in den buddhistischen Tempel. Die Tempelglocke wird 108 mal geschlagen - 107 mal vor Mitternacht und einmal danach. Die Zahl 108 steht für die 108 irdischen Versuchungen, denen der Mensch erliegen kann.

"Am Neujahrstag ist es wirklich festlich. Da werden Sachen gegessen, die man nur an Neujahr ist, ganz besondere Gerichte, die total symbolisch aufgeladen sind."
​Nils Takakura

Am Neujahrstag ist noch die ganze Familie beisammen. Dann werden ganz besondere Gerichte aufgefahren, die nur an Neujahr gegessen werden. Für Kinder, Teenager und junge Erwachsene gibt außerdem von den Älteren Geldgeschenke.

Nils kommt aus Fulda, hat in Japan studiert und arbeitet jetzt in Tokyo. Er hat eine Japanerin geheiratet und ihren Nachnahmen übernommen, "weil das einfacher ist". Wirklich vermissen tut er an Silvester das Feuerwerk. "Ein bisschen dynamischer ins neue Jahr kommen, könnte nicht schaden."