Fußball ist Herzenssache. Oder? Der Journalist Jens Berger sieht das anders: Von der Herzenssache Fußball ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen geht es ums Geld. Und darüber entscheiden nicht die Fans sondern Funktionäre und Investoren wie VW und Red Bull.

Fan und Verein: Lange Zeit war das eine Einheit. Das hat sich geändert, sagt Jens Berger. Die Vereine sehen die Fans nicht mehr als Unterstützer, die dazu gehören. Nein, für die Vereine sind Fans in erster Linie eine Zielgruppe, mit der Umsätze erzielt werden. So einfach und so wirtschaftlich ist das Verhältnis der Vereine zu den Fans.

"Die Vereine wollen möglichst hohe Marketingerlöse erzielen."
Jens Berger

Wie im Fußball Geld verdient wird:

  • Ticketverkauf
  • Catering
  • VIP-Lounges
  • Merchandise (FC. Bayern verkauft etwa eine Million Trikots pro Jahr)
  • Werbeverträge mit Sponsoren
  • Ausrüster zahlen Geld an die Vereine (Adidas zahlt 70 Millionen Euro pro Jahr dafür, dass der FC Bayern Adidas-Trikots trägt)
  • Kosten für TV-Übertragungsrechte

Mit Ausnahme der TV-Rechte, um die sich der Verband der Profivereine, der DFL, kümmert, vermarkten die Vereine alles andere selbst - vom Ticketverkauf bis zum Ausrüster. In Sachen Einnahmen gibt es große Unterschiede zwischen großen und kleinen Vereinen: Für normale Vereine machen die Spieltageinnahmen - also Ticketverkäufe - mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Bei den Premiumclubs der Bundesliga, wie zum Beispiel beim FC Bayern München, werden 18 Prozent des Gesamtumsatzes im Stadion erzielt - der Rest des Umsatzes kommt aus den Bereichen Marketing und Merchandising.

Zu den vier umsatzstärksten Vereinen in der Bundesliga zählen:

  • FC Bayern München
  • Borussia Dortmund
  • FC Schalke
  • VFL Wolfsburg

Zu den wichtigsten Playern im Geschäft mit dem Fußball gehören die TV-Sender, erklärt Jens Berger. Die möchten die Spieltage noch weiter zerfasern, damit sie dem Zuschauern möglichst viele Spiele zeigen können. Daran haben auch die Unternehmen, die im Fußballumfeld werben, und die Ausrüster großes Interesse. Die wünschen sich sogar, dass die Spiele früher anfangen, damit sie den asiatischen Markt besser erreichen können - Stichwort Zeitverschiebung.

"Der asiatische Markt gilt als Wachstumsmarkt. Für Sponsoren, die ein globales Marketinganliegen haben, wird die Bundesliga damit immer attraktiver."
Jens Berger

Die Reaktion der Fans

Die Fußballklubs teilen die Interessen ihrer Sponsoren - zum Leidwesen der Fans. Die resignieren allmählich, sagt Jens Berger. Als Premiere anfing den Spieltag zu zerfasern, gab es von Seiten der Fans noch eine Kampagne dagegen. Heute interessiert das niemanden mehr, sagt Jens Berger. "Heute sind die meisten Fans schon froh, wenn die Zustände, die wir jetzt haben, in die Zukunft gerettet werden können."

Journalisten sprechen in dieser Situation auch von einer ökonomischen Konkurrenzsituation. Nach dem Motto: Wenn die Bundesliga ihre Umsätze nicht weiter steigert, werden irgendwann alle guten Spieler von englischen oder spanischen Klubs weggekauft und im internationalen Vergleich würden die deutschen Klubs dann keine Rolle mehr spielen.

Messi und Ronaldo - der Gigantismus um die Topstars

Ein Topstar wie Ronaldo bekommt allein von seinem Ausrüster 60 Millionen Euro im Jahr, damit er deren Klamotten trägt und Werbung dafür macht. Mithalten kann da nur noch Lionel Messi, sagt Jens Berger. "Wenn Messi und Ronaldo Champions League sind, dann sind Thomas Müller oder Mario Götze maximal Bundesliga." Die logische Schlussfolgerung: Jeder Verein braucht einen Star, damit lässt sich richtig viel Geld verdienen. Real Madrid erwirtschaftet nach Rechnung von Jens Berger allein mit dem Ronaldo-Trikotverkauf einen Umsatz in Höhe von 80 Millionen Euro pro Jahr. Davon kann der Verein etwa 30 Millionen Euro behalten und damit das Jahresgehalt seines Topstars bezahlen.

"Mit dem Schriftzug "Cristiano Ronaldo" auf dem Rücken kriege ich natürlich viel mehr Trikots verkauft als mit dem Schriftzug "Ribery" oder mit "Lewandowski". Obwohl die sich immer noch besser verkaufen als Trikots mit dem Schriftzug eines normalen Bundesligaspielers."
Jens Berger

Damit rechnen sich teure Topspieler häufig mehr für Vereine als normale Spieler, die ihr zwar ein geringeres Gehalt bekommen, deren Trikots aber niemand tragen möchte. Und nur weil ein Spieler im Profibereich unterwegs ist, heißt das noch lange nicht, dass er nach seiner Karriere ausgesorgt hat:

  • Angaben der deutschen Spielergewerkschaft zufolge bezieht jeder 4. ehemalige Profi irgendwann Hartz IV
  • die Zahl der Privatinsolvenzen ist in keinem Bereich größer als in dem der ehemaligen Fußballprofis
  • nur 10 Prozent aller Fußballprofis haben im Laufe ihrer Karriere ausgesorgt und können später vom Ersparten leben

Über Jens Berger

Jens Berger ist Journalist und schreibt auf seinem Blog Spiegelfechter über Flüchtlinge, Nordkorea und die Goldenen Zitronen. Außerdem ist er Redakteur bei den Nachdenkseiten. Gerade hat er sein Buch Der Kick des Geldes oder wie unser Fußball verkauft wird veröffentlicht. Darin geht es um die Themen, die DRadio-Wissen-Moderator Sven Preger auch mit ihm in dieser Redaktionskonferenz besprochen hat.

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