Als wäre es nicht schon unmöglich genug, den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern wieder in Schwung zu bringen, plant die israelische Regierung den Bau einer Seilbahn bis zur Klagemauer. Kritik und Unmut sind da vorprogrammiert.

Die Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem kommt einfach nicht zur Ruhe. Erst vor einer Woche hat Donald Trump als erster amtierender US-Präsident die Grabeskirche in Jerusalem und die Klagemauer besucht.

Und jetzt hat die israelische Regierung nach zehn Jahren der Planung in einer symbolträchtigen Sondersitzung die erste Bauphase einer Seilbahn beschlossen, die von Westjerusalem bis zur Klagemauer führen soll.

Ostjerusalem ist ein ewiger Zankapfel

Jede Woche strömen bis zu 130.000 Touristen und Gläubige an die Klagemauer im Ostteil Jerusalems. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Behinderungen ist es aber nicht ganz einfach, sich einen Weg durch die verwinkelte Altstadt zu bahnen. Das soll durch den Bau der Bahn erleichtert werden, sagt das israelische Tourismus-Ministerium.

1400 Meter soll die geplante Seilbahn insgesamt lang werden und in 40 Kabinen jeweils zehn Passagiere zu einer der wichtigsten religiösen Stätte des Judentums transportieren.  

"Das hat schon was von Disneyland, wenn man das so hört."
Lisa Weiß, ARD-Korrespondentin

Vor 50 Jahren hat Israel im Sechstagekrieg den Osten der Stadt besetzt und später annektiert. Aber in den zurückliegenden Jahrzehnten haben Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft diese Annexion bis heute nicht anerkannt – auch nicht die USA.

Kritik über religiöse Grenzen hinweg

Pro-palästinensische Beobachter äußern ihre Bedenken, dass die israelische Regierung mit der Seilbahn die Strategie verfolgt, den annektierten Osten und den Westen Jerusalems enger aneinander zu binden.

Auch Vertreter unterschiedlicher Religionen sehen den Bau sehr kritisch. Sowohl orthodoxe Juden, als auch Muslime können sich nicht vorstellen, in der Nähe der wichtigsten religiösen Stätten wie der Al-Aqsa-Moschee oder dem Ölberg in Zukunft Stützpfeiler für Seilbahnen ertragen zu müssen, die die einzelnen Gondeln eventuell sogar direkt über die heiligen Stätten hinweg führen.