Sie hausen in Rohbauten und sind völlig traumatisiert - unser Korrespondent hat Flüchtlinge im Nordirak getroffen.

Rund eine halbe Million Menschen sucht im Norden des Irak Zuflucht vor der Terrormiliz IS. Viele von ihnen sind in der nordirakischen Region Dohuk unweit der türkischen Grenze gelandet. Von dort berichtet unser Korrespondent Reinhard Baumgarten. Die Situation sei niederschmetternd, das Elend sehr groß. Besonders bitter: Die Flüchtlinge seien Opfer einer menschengemachten Katastrophe geworden. Viele Frauen und Kinder wurden verschleppt und offenbar auch als Sklaven verkauft. IS ticke wie eine Gruppe aus dem 7. Jahrhundert - mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts, sagt Reinhard Baumgarten.

"Viele Frauen und Kinder sind verschleppt worden. Möglicherweise sind sie sogar in die Sklaverei verkauft worden."
Reinhard Baumgarten, ARD-Korrespondent, zur Zeit in Dohuk

In Dohuk komme leider wenig Hilfe der Vereinten Nationen an. Die meisten Lieferungen gingen nach Erbil. Die Menschen lebten in Dohuk nicht in Lagern, sondern in Rohbauten oder auf Baustellen, ohne Toiletten oder Kochgelegenheiten. Und das bei Temperaturen zwischen 38 und 45 Grad Celsius. Einige Bürger dieser Städte hätten Teppiche und Matratzen für die Flüchtlinge gespendet.

Flüchtlinge fühlen sich im Stich gelassen

Die Flüchtlinge seien extrem traumatisiert, erzählt Reinhard Baumgarten. Sie stünden unter Schock, rund 50 Prozent der Flüchtlinge seien Kinder. Sie fühlten sich im Stick gelassen - auch von den Peschmerga, die jetzt mit westlichen Waffen ausgerüstet werden. Außerdem hätten die Jessiden erlebt, dass ihre arabischen Nachbarn gemeinsame Sache mit den IS-Terroristen gemacht haben. Das einzige Ziel der Flüchtlinge: Weg aus dem Irak, weg aus den Gebieten, in denen sie seit Jahrhunderten gelebt haben.