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In Deutschland gibt es 950 Tafeln, die Bedürftige unterstützen. Doch die Corona-Pandemie macht ihnen zu schaffen. Immer wieder müssen sie auch größere und wichtige Lebensmittelspenden ablehnen.

Die Tafeln in Deutschland helfen gerade denjenigen, die jetzt in der Pandemie ganz besonders Hilfe brauchen. Sie verteilen etwa Essen an Menschen, die sich keins leisten können. Doch das Helfen fällt den Tafeln in Deutschland derzeit schwer.

Denn persönlicher Kontakt ist wichtig bei der Arbeit der vielen Freiwilligen bei den Tafeln, geht aber in der Corona-Pandemie kaum. Tafeln gelten als Orte der Begegnung. Das persönliche Gespräch sei wesentlicher Bestandteil der Arbeit, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafeln in Deutschland.

"Das ist eine riesige Herausforderung, wenn wir uns mit den Menschen nicht mehr unterhalten können."
Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafeln in Deutschland

Auch die wichtigste Aufgabe der Tafeln, Essen an Menschen zu verteilen, damit die ihren Geldbeutel ein wenig schonen können, sei kompliziert geworden. Mancherorts habe es starke Rückgänge der Lebensmittelspenden gegeben, sagt Jochen Brühl: "Andererseits bekommen wir teilweise so große Mengen, dass wir sie gar nicht verteilen können."

Nur ein Beispiel: Von einem Kreuzfahtschiff gibt es plötzlich Zehn-Liter-Eimer mit Sahne oder säckeweise Mehl. "Das unter Corona-Bedingungen aufzuteilen, ist eine riesige Herausforderung für ehrenamtliche Freiwillige", sagt Jochen Brühl.

Zu viele Lebensmittelspenden für die Tafel-Lager

Voriges Jahr mussten die Tafeln in Deutschland sogar 190 LKW-Ladungen mit Spenden ablehnen. Solche Lieferungen kämen nicht vom örtlichen Supermarkt, sondern direkt von den Produzenten. "Wenn eine Tafel 30 Euro-Paletten mit Rote Bete bekommt, kommt die ganz schnell an ihre Kapazitätsgrenzen", sagt Jochen Brühl. Gerade Produkte, die gekühlt werden müssen, könnten nicht in dem Ausmaß gelagert werden.

"Wir verschwenden in Deutschland zwölf Millionen Tonnen an Lebensmitteln, die Tafeln retten 250.000 Tonnen. Wir sind der größte Lebensmittelretter in Deutschland."
Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafeln in Deutschland

Jochen Brühl wünscht sich mehr Unterstützung vom Staat, damit die Tafeln ihre Aufgaben besser erfüllen kann: "Viele sagen, Tafeln sind systemrelevant, aber dann muss man eine Organisation, die Lebensmittel rettet und Menschen in Armut hilft, auch unterstützen."