Urbanes Leben entwickelt sich in dem größten Flüchtlingscamp der arabischen Welt. Läden und Cafés entstehen und aus den Zelten werden kleine Wohncontainer. Aus dem Lager wird eine Stadt.

Vor drei Jahren wurde das Lager in Jordanien sechs Kilometer vor der syrischen Grenze eingerichtet. Zwischen 60.000 und 120.000 syrische Flüchtlinge leben in Zaatari - die Zahlen schwanken ständig. Durch das riesige Lager führen inzwischen befestigte Straßen, erzählt DRadio-Wissen-Reporterin Caroline von Eichhorn. Sie schlendert durch das Lager, vorbei an einem Schaufenster, in dem ein knallrotes Ballkleid drapiert ist, an einer Eisdiele, einem Fahrradladen und Cafés.

Der 30-jährige Mohammed hat vor zwei Monaten seinen Fahrrad-Shop eröffnet. In Syrien war er Fahrer. Im Camp, wo viele Bewohner mit dem Fahrrad unterwegs sind, hat er gesehen, dass eine weitere Fahrradwerkstatt dringend gebraucht wird. Das Werkzeug hat sich Mohammed im Großhandel am Rande des Camps besorgt. Mohammeds Bike Shop ist nur ein Beispiel für die entstehenden kleinen Gewerbebetriebe in Zaatari.

Die Zelte sind inzwischen zerschlissen, dafür sind kleine Wohncontainer entstanden. Noch fahren Trinkwasserlastzüge durch die Straßen und versorgen die Container mit Wasser. Parallel verlegt die Uno Wasserleitungen. Aber auch wenn Zaatari mehr und mehr zu einer Stadt wird, ist das Leben dort nicht wie in jeder anderen Stadt. Die Flüchtlinge dürfen das Camp zwar verlassen, aber nicht außerhalb arbeiten.

Das fast ganz normal Leben

In Jordanien leben 80 Prozent der Flüchtlinge außerhalb der Lager. In der jordanischen Grenzstadt Irbid ist jeder vierte Einwohner ein Flüchtling, in Mafraq jeder zweite. Der Druck durch die Flüchtlinge wirkt sich auf die Lebensmittelpreise und Mieten aus, die sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt haben. Und die Arbeitslosigkeit ist ungebrochen hoch.

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