Finnlands Regierung ist weiblich – jedenfalls ziemlich. Und sie ist jung: Neben Regierungschefin Sanna Marin (34) sind weitere Spitzenposten von jungen Frauen besetzt. Warum bekommen wir in Deutschland das nicht hin? Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter in Deutschen Bundestag liegt bei knapp 50 Jahren.

Gyde Jensen ist eine ziemliche Ausnahme im Deutschen Bundestag. Sie ist jung und weiblich. Genauer: 30 Jahre alt. Die FDP-Politikerin leitet den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Trotzdem wird Gyde Jensen von den anderen Politikern manchmal nicht ganz ernst genommen, sagt sie.

"Die Vorannahme ist: Die kann wahrscheinlich nichts.“
Gyde Jensen (FDP)

Andere junge Politiker und Politikerinnen berichten in Online-Artikeln von ähnlichen Erfahrungen. Von Treffen im CDU-Ortsverein, bei denen die alten Herren eine junge Kollegin für die Kellnerin hielten und bei ihr Bier bestellten. Oder von der Sitzung im EU-Parlament, als eine junge Grünen-Abgeordnete als Praktikantin abgestempelt wurde und auf die Mitarbeiterplätze verwiesen wurde.

Unter 30 schafft es kaum einer in den Deutschen Bundestag

Die meisten Jungen schaffen es allerdings erst gar nicht in die Parlamente: Das Durchschnittsalter im Deutschen Bundestag liegt bei knapp 50 Jahren. Politiker unter 35 machen nur 8,5 Prozent der Abgeordneten aus. Es dominieren die Babyboomer und Abgeordnete zwischen 45 und 60. In der Bundesregierung ist der Schnitt noch mal höher.

"In Deutschland ist da durchaus noch Luft nach oben im internationalen Vergleich."
Corinna Kröber, Politikwissenschaftlerin und Junior-Professorin, Uni Greifswald

In Deutschland können wir da durchaus noch besser werden, meint Corinna Kröber, Politikwissenschaftlerin an der Uni Greifswald: "Im Moment ist das jüngste Regierungsmitglied Jens Spahn von der CDU, der ist 39 Jahre alt. In anderen Ländern geht das deutlich jünger."

Junge Politiker für junge Leute

Corinna Kröber glaubt, dass es die Parteien jungen Leuten recht schwer machen, nach oben zu kommen. Eine Verjüngung von Bundestag und Regierung fände sie sinnvoll – auch für etablierte Parteien, die sich "über neueres Personal" wieder einen besseren Ruf bei jungen Leuten aufbauen könnten.

Ähnlich sieht das auch Gyde Jensen, die sagt: "Ich bin noch besser in der Lage, mit einem 15-Jährigen oder 18-Jährigen über politische Themen zu sprechen, die er oder sie von älteren Kollegen vielleicht gar nicht versteht, weil man schon in einer Sprache drin ist, die jüngeren Leuten einfach überhaupt nicht geläufig ist."

Sanna Marin zeigt, wie es geht

Dass es geht, macht gerade die Sozialdemokratin Sanna Marin in Finnland vor: Mit nur 34 Jahren wird sie die jüngste Regierungschefin der Welt. Sie tritt die Nachfolge von Antti Rinne an, der über einen Deal mit der Post gestolpert und zurückgetreten ist.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Sanna Marins Kabinett besteht aus zwölf Frauen und sieben Männern. Neben Marin werden auch die vier weiteren Regierungsparteien von Frauen angeführt, die ebenfalls Ministerposten inne haben, drei davon sind Anfang 30:

  • Li Andersson, 32 Jahre, Chefin der Linken und Bildungsministerin
  • Katri Kulmuni, 32 Jahre, Chefin der Zentrumspartei und bisher Wirtschaftsministerin
  • Maria Ohisalo, 34 Jahre, Vorsitzende der Grünen und Innenministerin
  • Anna-Maja Henriksson, 55 Jahre, Chefin der Schwedischen Volkspartei und Justizministerin
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Skandinavien
"Ich denke, das wird einen Kulturwandel mit sich bringen."

Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Skandinavien, meint, dass Sanna Marin Power hat, hätte sie schon im Wahlkampf bewiesen. Der war sehr erfolgreich für die Sozialdemokraten. Und dass sie nun als jüngste Regierungschefin der Welt die Politik in Finnland leitet, bringe sicher einen Kulturwandel mit sich. Prinzipiell seien in Skandinavien die Frauen in der Politik etwas stärker vertreten, als in Deutschland, in Schweden beispielsweise. Und in Dänemark sei das Durchschnittsalter der Regierung am jüngsten: es liege nämlich bei 42 Jahren.